Rottenburg Sogar bei Hochzeit auf Diebestour

Martin Dold, 15.05.2012 11:20 Uhr

Rottenburg - Er war in der Narrenzunft aktiv, ein Mensch, der im Stillen lebte und der nicht sonderlich in Erscheinung trat. Doch der 46-Jährige aus Rottenburg-Ergenzingen (Kreis Tübingen) hatte auch eine andere Seite: Er stahl hemmungslos alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Selbst vor einer Hochzeitsgesellschaft in Ammerbuch machte er nicht Halt. Dort entnahm der Zwei-Meter-Hüne Geschenkumschläge mit Bargeld im Wert von mehr als 4000 Euro. Bei einer Trauung im Rottenburger Kloster Weggental stahl er Geschenke für das Brautpaar aus Autos von Hochzeitsgästen.

Nun flog er auf, die Rottenburger Polizei wies ihm über 300 Diebstähle nach. Der 46-Jährige hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Als die Polizei zugriff, zeigte sich er erleichtert. Seine Begründung: Ein innerer Zwang habe ihn geleitet, informiert Ewald Raidt, Pressesprecher der Polizei Tübingen, über die Motive. Die Beutezüge des Kraftfahrers waren nicht geplant, sondern verliefen nach dem Motto »Gelegenheit macht Diebe«.

Bei der Ergenzinger Narrenzunft sei er immer wieder mit nagelneuen Fotoapparaten aufgefallen, wie unsere Zeitung bei Recherchen erfuhr. Zudem war er dort nur noch »Mitglied auf Bewährung«, da bereits Diebstähle aus früheren Zeiten bekannt waren.

Überwiegend handelt es sich bei den aktuellen Straftaten, die im Jahr 2007 begannen, um Diebstähle und Pkw-Aufbrüche. Der Schaden beläuft sich laut Polizei auf rund 120.000 Euro. Bei seinen Beutezügen sollen dem Mann rund 20.000 Euro Bargeld in die Hände gefallen sein. Das Diebesgut wie Navigationsgeräte, Sporttaschen, Ausweise oder Schlüssel bunkerte er in seiner Wohnung.

Von den rund 300 bekannten Diebstählen entfallen 201 auf den Kreis Tübingen, betroffen waren unter anderem aber auch die Kreise Freudenstadt, Calw, Zollernalbkreis, Rottweil, Reutlingen und Böblingen. Bevorzugte Schauplätze der Diebstähle waren die Parkplätze des Wildgeheges Entringen und des Baggersees Hirschau (beide Kreis Tübingen) sowie in der Stadt Tübingen. Eine Personenbeschreibung eines Zeugen sowie Personenerkenntnisse des Polizeipostens Ergenzingen führten die Ermittler auf die Spur des Tatverdächtigen.

 
 
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