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Rottenburg Schwäbische Mundart als Eintrittskarte für Rottenburg

Schwarzwälder-Bote, vom 01.02.2012 20:20 Uhr
Die Teilnehmer des Podiums "Heimat" gingen gut beschirmt nach Hause. 
Foto: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote
Die Teilnehmer des Podiums "Heimat" gingen gut beschirmt nach Hause. Foto: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Angela Baum Rottenburg. Was Rottenburg zur lebendigen Heimat macht, darüber diskutierte ein Podium aus Bürgern bei "Kultur am Nachmittag." Auf dem Podium saßen Ümit Aslan, der in Rottenburg aufgewachsen ist und türkische Wurzeln hat, Monika Bormann, Stadtführerin Ursula Kuttler-Merz, der Fraktionsvorsitzende der Jungen Aktiven David Prakash, Professor Franz Quarthal, der Kommandant der Bürgerwache, Rudi Ulmer, sowie Diözesankonservator Wolfgang Urban.

Moderiert wurde die Runde von Bruno Ernsperger. Zunächst gab es Bilder aus Rottenburg und Gedichte von Sebastian Blau, die Rolf Schorp rezitierte. So erklang der Vers "Hoamet", der die Heimat als den Ort beschreibt, zu dem "ma Hoamet saga ka". Natürlich durfte auch das Gedicht von Sebastian Blau nicht fehlen, welches er dem Neckar widmete. Die Bilder von Thomas di Paolo streiften die Fasnet, Fronleichnam und Sehenswürdigkeiten wie den Stadtgraben oder den Dom.

Monika Bormann als Frauenbeauftragte des Ordinariates hob die Dinge hervor, die Rottenburg Frauen bietet, Frauenfrühstücke in den Kirchengemeinden oder die Frauenunion.

"Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt", betonte Monika Bormann. David Prakash ist in Horb geboren und in Rottenburg aufgewachsen. Das SMG, dessen Schülersprecher er war, sei ihm in seiner Schulzeit zur Heimat geworden, aber auch heute noch sei er mit Rottenburg verbunden. Kontakte zu Freunden seien heute mittels Internet einfacher aufrecht zu erhalten.

Ümit Aslan, der sich im deutsch-türkischen Freundschaftsverein engagiert, erzählte, dass Rottenburg seine "erste Liebe" sei. Hier sei er aufgewachsen. Die Türkei sei seine zweite Liebe. Sitze er im Flieger nach Stuttgart, freue er sich auf Rottenburg, "50 Kilometer und dann bin i dahoim", meinte er. Auch Schwäbisch habe er mittlerweile ein wenig gelernt.

Rudi Ulmer, Kommandant der Bürgerwache, betonte, dass Heimat auch mit Vereinen verbunden sei. Fronleichnam etwa sei ohne Urbansbruderschaft und die Bürgerwache nicht vorstellbar. "Heimatpflege vollzieht sich in Vereinen", so Ulmer. Vom "guten Alten muss man das Beste erhalten." Nur wer seine Wurzeln kenne, könne seine Zukunft gestalten.

Ursula Kuttler-Merz schilderte ihre Erfahrungen als Rottenburgerin, die zunächst als "Reigschmeckte" galt und auch noch evangelisch war – eine Minderheit in Rottenburg in den 1950er-Jahren. Spezifisch Rottenburgisch sei der "katholische Klüngel", früher stärker als heute. Ihre Eintrittskarte zu Rottenburg sei die Mundart gewesen, die sie als Kind bald gelernt habe.

Wolfgang Urban erklärte, er habe gelegentlich Heimweh nach seiner Heimatstadt Stetten am kalten Markt. Er vermisse in Rottenburg den wunderbar klaren Sternenhimmel, den es dort gegeben habe. Heimat sei etwas, das man verliere, gerade dann, wenn es nicht mehr so sei, wie es war, so Urban.

Als er aber die erste Fronleichnamsprozession in Rottenburg erlebt habe, mit dem Fensterschmuck, den Lourdes-Madonnen und den weißen gestärkten Deckchen habe er feuchte Augen bekommen. "Da habe ich als Oberschwabe empfunden, daheim zu sein."

Für Franz Quarthal wurde Rottenburg zur zweiten Heimat, die erste sei Wien. Das Selbstbewusstsein der Rottenburger, Nabel der Welt zu sein, erstaune ihn. Heimat bedeute, nicht nur Landschaft und Gerüche erleben, sondern sich mit der Geschichte der Menschen zu verbinden.

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