Von Angela Baum

Rottenburg. Sie kennen sich aus mit Geschichte und Kultur des römischen Sumelocenna, kennen Ecken, die sonst keiner weiß. Die Rede ist von den Rottenburger Stadtführern, die bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit Gruppen durch Rottenburg und seine Stadtteile führen.

Am Montagabend überreichten Oberbürgermeister Stephan Neher und Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert den neuen Stadtführern ihre Zertifikate. Mittlerweile gibt es 160 Stadtführer in Rottenburg, die von der Wirtschafts- und Tourismusgesellschaft (WTG) für Stadtführungen eingeteilt werden.

Die neuen Stadtführer erhielten erstmals eine Ausbildung, die ihnen das notwendige Rüstzeug als Tourismus- und Fremdenführer geben soll. Ingo Straten bildete die neuen Stadtführer im Modul "Rhetorisches Einmaleins für Stadtführer" aus.

Ernst Heimes vom Verlag Haus am Nepomuk ist selbst Stadtführer und unterrichtete seine neuen Kollegen im Bereich Methodik. Stadtarchivar Peter Ehrmann zeigte auf, wie Stadtführer an Informationen zu ihren Führungen kommen können und Rolf Schorp vermittelte die Grundlagen zu einer historischen Stadtführung.

Römische Stadtgeschichte lernten die Neuen bei Peter Ehrmann, und Fakten zum kirchlichen Rottenburg übte Diözesankonservator Wolfgang Urban mit den neuen Stadtführern. Karlheinz Geppert schließlich steuerte Wissenswertes zur vorderösterreichischen Vergangenheit Rottenburgs bei.

Verschiedene Institutionen zeichneten für die Ausbildung der Stadtführer verantwortlich, dies sind die Volkshochschule, die WTG, die Stadt Rottenburg sowie der Verlag Haus am Nepomuk. Oberbürgermeister Stephan Neher betonte, dass sich viele Menschen für Rottenburg interessieren, und jeder, der schon einmal eine Stadtführung mitgemacht habe, wisse, was die Stadtführer leisten. Der Ausbildungsdurchlauf sei eine sehr gute Sache, so habe man nun geprüfte Stadtführer. Neher freute sich, dass so viele Rottenburger Bürger Interesse hatten, sich zum Stadtführer ausbilden zu lassen. Es sei gut, eine so große Gruppe von Stadtführern zu haben, die nun flexibel eingesetzt werden können.

Rottenburg sei eine Stadt mit einer sehr langen Geschichte, "und durch die Forschung kommen immer weitere neue Aspekte hinzu." So habe etwa der Amannhof neue Fakten zur Rottenburger Stadtgeschichte gebracht, ebenso die Ausgrabungen in der Sülchenkirche. Geschichte, so Neher, sei ein lebendiger Prozess. Die Heimattage in diesem Jahr würden sicherlich wieder viele Menschen nach Rottenburg führen, hierfür und für einen Ansturm sei man nun gewappnet.

Stadtarchivar und Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert führte ein Interview mit einem der neuen Stadtführer. Martin Zimmermann, der die Ausbildung absolviert hatte, sagte zu seiner Motivation, dass er bereits viele Stadtführungen mitgemacht habe und sehr vom Zwingerturm fasziniert sei. Geschockt habe ihn die Tatsache, dass es in Rottenburg so viele Hexenverbrennungen gegeben hat.

Er habe einen siebenjährigen Sohn, der ihm in der Stadt immer Löcher in den Bauch frage und etwa wissen wolle, ob man in die Stadttürme hineingehen kann. Daher wolle er Führungen für Familien und alle Generationen anbieten.

Umrahmt wurde der Abend von Karlheinz Heiss, der Rottenburger Lieder zum Besten gab. Ernst Heimes verteilte Blumen an Ursula Kuttler-Merz, an Elke Spielvogel von der WTG und an Frau Müller von der Stadtverwaltung.