Rottenburg Nach mehr als 100 Jahren ist Schluss
Schwarzwälder-Bote, 26.06.2012 20:01 Uhr
106 Jahre lang wurden im Gasthaus Rose in Ergenzingen die Gäste bedient. Am Freitag öffnet das Lokal von Angelika und Egon Müller, die 30 Jahre lang für das leibliche Wohl der Besucher verantwortlich zeichneten, zum letzten Mal. Foto: RanftFoto: Schwarzwälder-Bote
Rottenburg-Ergenzingen (era). Der altehrwürdige Gasthof Rose in der Ergenzinger Bergstraße öffnet am kommenden Freitag, 29. Juni, ein letztes Mal seine Pforten. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" resümieren die beiden Inhaber Angelika und Egon Müller mit einem weinenden und einem lachenden Auge.Es wurden im Laufe der Jahre eben immer weniger Gäste, einfach zu wenig, um das Arbeitsvolumen eines Gastronomiebetriebes zu rechtfertigen. "Wir sind da von der Realität eingeholt worden. Um mit einen neuen Konzept mehr Kunden zu gewinnen, bräuchte man einen Nachfolger, der das weiterführt", sagt Egon Müller.
Vielen Ergenzingern tut die Schließung der Rose richtig weh, wie sie sagen. Nicht zuletzt wegen der Kochkünste von Angelika Müller, die das Lokal weithin bekannt gemacht hatten. Aber letztere waren, von Familienfeiern einmal ausgenommen, auch nur sonntags gefordert, und das war wohl zu wenig. Der Versuch, das Mittagessen auch an Wochentagen zu etablieren, scheiterte letztlich an der mangelnden Nachfrage. Lediglich die Mitarbeiter des Notariats schätzten das Angebot mehr als 15 Jahre.
Die Familiengeschichte der Rose geht bis in das Jahr 1906 zurück. Damals heirateten Anton Müller, aus der Rohrdorfer Traubenwirts-Familie und Theresia Schweizer aus der Weitinger Engelwirts "Dynastie", und ebenjene kauften nach ihrer Hochzeit die spätere Rose. Der vordere Teil wurde zur Wirtschaft ausgebaut. Alfred Müller übernahm 1956 das Gasthaus von den Eltern. 1970 wurde es grundlegend umgebaut und modernisiert.
1982 übernahmen Angelika und Egon Müller die Rose. Ab diesem Zeitpunkt stand erstmals warmes Essen im Angebot. Auch der erste Stammtisch ließ nicht lange auf sich warten. Dazu zählten unter anderem Jakob Fleiner, Vinzenz Baur, Karl Walz, Josef Baur (Jägerjosef) und August Raible.
Eingeführt zusätzlich zur traditionellen Schlachtplatte wurde ein sonntägliches Mittagessen. Die Rose mauserte sich auch zum Domizil vieler örtlicher Vereine und Institutionen. 30 Jahre lang kümmerten sich Angelika und Egon Müller um das Wohl ihrer Gäste – am kommenden Freitag nun zum letzten Mal, und damit endet auch die 106- jährige Geschichte der Ergenzinger Rose.


