Rottenburg-Baisingen - Die Nachrichtenlage von offizieller Seite zum Gefängnisstandort Baisingen ist dünn. So viel ist bekannt: Der Suchlauf ist beendet, die Auswertung läuft, Baisingen gehört wohl nicht zu den Favoriten. Für die Bürgerinitiative gegen die JVA noch lange kein Grund zur Entwarnung.

»Persönlich habe ich wohlwollend gelesen, dass wir offenbar nicht auf dem ersten Platz sind«, sagt Axel Rupp (44), Informatiker und Betriebswirt. Er hat die Baisinger Bürgerinitiative (BI) gegen ein Großgefängnis zusammen mit Andreas Orf und Armin Kölmel gegründet. Auf der Liste möglicher JVA-Standorte liegen die privaten Gelände-Vorschläge in Tuningen und Weigheim nach Informationen unserer Zeitung vorne. »Zur Freude sehen wir aber noch keinen Grund«, fügt Rupp hinzu. Private Anbieter könnten schnell abspringen, Baisingen dann wieder weiter nach vorne rücken. Deshalb warnt er: »Der Druck darf nicht nachlassen.« Man müsse der Verwaltung weiterhin klar machen, dass sich die Baisinger nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen wollten und sich für das Thema interessierten.

Andreas Orf, ebenfalls BI-Gründer, verharrt noch in einer »Hab-Acht-Stellung«, aus der er sich erst lösen will, wenn eine offizielle Stellungnahme vorliegt. Zuletzt habe es zwar keine Aktionen der BI gegeben. »Wir wollten den Dorffrieden nicht weiter belasten«, sagt Orf. »Falls das Thema wieder mehr an Fahrt gewinnt, sind wir aber vorbereitet.« Im Sommer sei die Stimmung in Baisingen angespannt gewesen. »Es kamen immer mehr Leute auf uns zu, die Vorbehalte gegen das Tun des Ortsvorstehers haben.« Eine immer wieder eingeforderte Bürgerversammlung sei vom Ortsvorsteher nie anberaumt worden, oder auf Termine in ferner Zukunft versprochen worden. »Es ist das Gefühl der Ohnmacht entstanden«, sagt Orf. Für ihn ein »untragbar Zustand« in einer Demokratie.

Rupp war bislang nicht politisch aktiv. Er hat es nun aber positiv erlebt, sich mit anderen zusammenzuschließen, um für ein Thema zu kämpfen. Die Informationspolitik habe sich verbessert, findet er: »Weil es die Bürgerinitiative gab.« In den Bürgerfragestunden haben sie immer wieder Informationen eingefordert, auch in der jüngsten Sitzung hat sich die Initiative zu Wort gemeldet, wie Ortsvorsteher Horst Schuh bestätigt.

»Ich warte jetzt in aller Ruhe ab, was kommt«

Die Ruhe im Ort hat auch er wahrgenommen, deutet sie aber anders. Er hat den Eindruck gewonnen, dass aus dem Thema Gefängnis inzwischen die »Luft raus« ist. »Ich warte jetzt in aller Ruhe ab, was kommt«, sagt er. Nach eigenen Angaben hat er noch keine Informationen über die Ergebnisse des Suchlaufs. Falls es eine offizielle Absage für die JVA vor den Toren Baisingens gibt und sich kein gewerblicher Großkunde für die Fläche interessiert, sagt Schuh, werde mit dem Gelände nichts passieren. »Priorität hat der Ausbau des Gewerbegebietes Ergenzingen-Ost«, sagt er. In eine offensive Vermarktung des Baisinger Gebiets werde man nicht einsteigen. »Nach städtischen Planungen handelt es sich um eine mittelfristige Reservefläche«, sagt er, die ohne JVA zunächst unbebaut bleibe.

Das dürfte die BI freuen. Denn die Gründer sehen vor allem den Aspekt der Bodenversiegelung kritisch, der bei jeglicher Bebauung erfolgen würde. »Die Stadt Rottenburg hat sich nie Gedanken darüber gemacht, ob man auf diesem Gebiet vielleicht auch Ackerfläche beibehalten sollte«, sagt Rupp. Schließlich gebe es mögliche JVA-Standorte, zum Beispiel das Kasernengelände in Meßstetten, wo das Gelände ohnehin schon bebaut sei. »Vernünftig, dass Kretschmann das ins Gespräch gebracht hat«, findet er.

Langfristig, was konkret ab etwa 2015 bedeuten dürfte, zeichnet sich aber die Möglichkeit zur gewerblichen Nutzung und damit Bodenversiegelung ab. Nach Angaben von Schuh wird sowohl im Regionalplan sowie nachfolgend im Flächennutzungsplan eine gewerbliche Nutzung für das Gelände beantragt.

Angst vor den Straftätern, die in einem Gefängnis untergebracht würden, hätten sie nicht, sagen die Familienväter Rupp und Orf. »Wir gehen davon aus, dass ein modernes Gefängnis sicher ist«, sagt Orf.