Rottenburg Große Verdienste um Baisingen gewürdigt

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Von Angela Baum Rottenburg-Baisingen. Adolf Hug staunte nicht schlecht, als ihm OB Stephan Neher die silberne Ehrenmedaille der Stadt überreichte. Neher überreichte auch eine Ehrenurkunde an den ehemaligen Ortsvorsteher von Baisingen.Winfried Löffler wurde am gleichen Abend zum Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Synagoge ernannt. Hug und Löffler hatten sich um die Gedenkstätte Synagoge Baisingen verdient gemacht, führte Neher aus.

Ortsvorsteher Horst Schuh freute sich, dass erstmals ein Baisinger Bürger mit der silbernen Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet wurde. 150 Gäste feierten gemeinsam mit Hug und Löffler im Schlosssaal.

Schuh sagte, es sei ein besonderer Tag für Baisingen. Die illustre Gästeschar unterstreiche den Festcharakter. Schuh konnte aktuelle und ehemalige Ortschaftsräte begrüßen. An Adolf Hug gewandt sagte er, dieser habe sich die Ehrung verdient, da er viel für das Ansehen und die Attraktivität der Gedenkstätte Synagoge getan habe.

OB Stephan Neher meinte, die Auszeichnung sei schon etwas Besonderes, "wir sind sparsam mit der Verleihung der Medaille". Neher hob die besonderen Verdienste von Hug um die Synagoge hervor. Die Einrichtung der Gedenkstätte sei von Hug unterstützt worden. Von 1978 bis 1999 war Adolf Hug Ortsvorsteher von Baisingen. Hug habe mit seiner Gestaltungskraft und Kreativität sich um den Ort und um die Synagoge verdient gemacht. Neher: "Die Stadt will mit der Medaille ihren Dank zum Ausdruck bringen."

Die jüdische Geschichte gehöre zu Baisingen. 1933 lebten 90 jüdische Einwohner in der Gäugemeinde, es habe damals eine intakte jüdische Gemeinde gegeben, so Neher. Am 9. und 10. November 1938 fiel auch in Baisingen die Synagoge den Verwüstungen der Nazis zum Opfer. 70 bis 80 SA-Leute aus Horb und der Umgebung verwüsteten die Synagoge. 60 Juden wanderten daraufhin aus. 1941 bis 1942 wurden 60 Baisinger Juden in Konzentrationslager deportiert.

Danach diente die Synagoge als Scheune, 1984 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Daraufhin erwarb die Stadt die Synagoge, der Förderverein füllte sie mit Leben, so Neher. "Wir als Deutsche haben aus der Geschichte heraus eine Verantwortung", betonte Neher. Es sei gut, dass die Synagoge und der jüdische Friedhof vom Förderverein Synagoge erhalten wird. Neher meinte, alle seien aufgerufen, den "kleinen Sarazzins Einhalt zu gebieten". Integration funktioniere aber nur, wenn der Zugang zu Bildung gegeben werde.

Durch Menschen wie Adolf Hug sei es möglich geworden, dass Vertriebene wieder nach Deutschland zurückkommen und ihre alte Heimat besuchen. Seitdem 1998 die Gedenkstätte eingerichtet wurde, seien jährlich 2000 Besucher gekommen, um die Synagoge zu besichtigen.

Hug betonte, er sei von der Nachricht der Medaillenverleihung überrascht worden. Der Synagoge sei er anfangs skeptisch gegenüber gestanden. Doch der Kontakt mit den Überlebenden habe ein Umdenken bewirkt, er habe die Arbeit in der Synagoge als sinnstiftend empfunden. Er arbeite im Förderverein aktiv mit und mache mittlerweile auch Führungen.

Hug dankte seiner Frau Marianne, die immer Kuchen für den Kaffeeklatsch mit den Besuchern backe. Winfried Löffler wurde zum Ehrenvorsitzenden des Fördervereins Synagoge ernannt. Neher meinte, die schwierigsten Phasen habe der Verein unter Löffler gemeistert. Löffler habe es in seiner Arbeit geschafft, dass die Gemeinde heute über die Gedenkstätte verfüge. Neher dankte Löffler für den Begleitprozess der Vereinsgründung, der das Verständnis für Geschichte weckt.

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