Rottenburg Gedenken an Pogromnacht

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Zehntklässlerinnen aus St. Klara nahmen mit ihrer Lehrerin Elisabeth Schröder-Kappus an der Gedenkfeier teil. Foto: Baum Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Angela Baum

Rottenburg-Baisingen. Am Mittwochabend gedachten Bürger und Gemeinderäte sowie Oberbürgermeister Stephan Neher als Vorsitzender des Fördervereins Synagoge Baisingen den schrecklichen Ereignissen der Reichspogromnacht von 1938. Damals verwüsteten die Nazis bundesweit jüdische Synagogen und steckten sie in Brand.

Oberbürgermeister Stephan Neher sagte, dass er verschiedentlich gefragt wurde, weshalb man in Baisingen nicht am 10. November der Schändung der dortigen Synagoge gedenke. Doch Neher will am 9. November festhalten: "Damit unterstreichen wir, dass hinter den Pogromen keine Einzeltäter steckten, sondern dass es eine übergeordnete Planung gab mit der Absicht, jüdisches Leben hier unmöglich zu machen." Es werde auch an die Tötung vieler jüdischer Menschen erinnert, die im Ort verwurzelt waren. Die aktuellen politischen Ereignisse in Afrika zeigten, mit welcher Gewalt die Machthaber an ihren Sesseln klebten. "Wir wollen das Geschehen im Dritten Reich in Erinnerung rufen, damit es nicht zu Wiederholungsfällen kommt." Deshalb sei es wichtig, auch junge Menschen einzubeziehen.

Diesen Part übernahmen Zehntklässlerinnen aus St. Klara mit ihrer Lehrerin Elisabeth Schröder-Kappus. Die Schülerinnen berichteten von ihrem Besuch des Konzentrationslagers Dachau. Eine Schülerin erzählte, dass sie sich von einem Konzentrationslager vorher noch kein Bild machen konnte. "Die Verbrennungsöfen habe ich mir gar nicht vorstellen können, mir war nicht bewusst, dass alles so passiert ist, wie es immer in Büchern oder im Fernsehen kommt." Ihre Klassenkameradin Annika berichtete, dass sie vor dem Besuch Sorge hatte, da sie schon viel Grausames über die Konzentrationslager gehört hatte. "Einen Ort zu besuchen, an dem so viele Menschen getötet wurden, machte mir Angst." Annika sagte, dass der Besuch des KZ Dachau ihr die deutsche Geschichte näher gebracht habe.

Die Schülerinnen hatten sich auch mit dem KZ Grafeneck auf der schwäbischen Alb beschäftigt. Grafeneck war die erste Tötungsanstalt, in die eine Gaskammer eingebaut wurde. Die Schülerinnen berichteten, dass die Morde in der als Duschraum getarnten Garage unter Verwendung von Kohlenmonoxid stattfanden. Zwischen Januar und Dezember 1940 wurden in Grafeneck 9839 Menschen in der Gaskammer ermordet.

Die Schülerinnen fragten sich, wie man diese Qual aushalten kann und stießen dabei auf Dietrich Bonhoeffer und dessen Schicksal. Bonhoeffer hatte kurz bevor ihm die Nationalsozialisten ermordeten noch den Text "Von guten Mächten wunderbar geborgen" gedichtet, den die Schülerinnen vortrugen. Zudem sangen sie "Dust in the Wind" und das Lied "Zeit für Ruhe, Zeit für Stille".

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