
Von Angela Baum
Rottenburg-Baisingen. Anekdoten aus dem Leben in Israel erzählte die jüdische Musikerin Revital Herzog gestern in der Baisinger Synagoge. Anlässlich des europäischen Tages der jüdischen Kultur trat Revital Herzog auf und begeisterte die Zuhörer in der Gedenkstätte Synagoge.
Hier gab es zudem zwei Führungen, und auch der jüdische Friedhof konnte besucht werden. Revital Herzog spielte auf ihrem Akkordeon Klezmer, Orient- und Balkanmusik. Mal eher fröhlich und tänzerisch bewegt mit Bauchtanzrhythmen, dann wieder eher melancholisch mit Klezmer-Rhythmen.
Revital Herzog will die Trennung und Angst zwischen Israelis und Arabern, Deutschen und Juden entschärfen. Sie will in ihrer Arbeit helfen, Klischees abzubauen, es soll eine neue, menschliche Basis geschaffen werden. Die in Israel aufgewachsene Künstlerin lebt in Reutlingen und versteht es, mit ihren hintergründigen Geschichten das Publikum zu fesseln. Ein wunderbarer, musikalisch erzählerischer Bilderbogen entfaltet sich, aus einer Welt, die das Publikum in ihren Bann zieht.
Revital Herzog ist eine Kosmopolitin, die das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sie verfügt über das besondere Talent, Geschichten farbenfroh und hautnah zu erzählen, sodass die Zuhörer gar nicht genug davon bekommen können. Mal geht es um den Mann, der seiner Frau einen Sack Mehl bringt, damit sie ihn mahlen soll, obwohl es eine Mühle gibt. Dann kommt die Sache vor den Kadi, der von der Frau eingeladen wird, und den sie mit ihrer Schönheit bezirzt. Als der Kadi dann kommt, wird erzählt, und plötzlich kommt ihr Mann heim. Schnell muss der Kadi Frauenkleider überziehen und – Getreide mahlen. Die Frau hält ihren Mann solange hin, bis der Kadi das ganze Mehl gemahlen hat. Dann schickt sie ihren Mann auf den Markt, und der Kadi kann gehen. Als der Mann wieder die Frau vor den Kadi schleppt, bekommt dieser fast einen Herzinfarkt und schickt den Mann zur Mühle.
Oder Revital Herzog erzählt von der Geschichte, wie eine Ziege einen Mann zum Wunderheiler machte. Eingestreut zwischen all die lustigen Geschichten und Erzählungen sind Berichte über ihre Familie. Etwa, als ihr Vater gefragt wurde, wie er es schafft, seinen Urlaub in Deutschland zu verbringen, nachdem seine Verwandten im Konzentrationslager gestorben sind. Er antwortet, dass es dort nette Menschen gibt, etwa die Eltern seines Schwiegersohnes. "Da habe ich gemerkt, dass mein Vater die Versöhnung mit der Vergangenheit geleistet hat", sagt Revital Herzog sichtlich bewegt. Und sie erzählt, wie ein junger deutscher Soldat am Kriegsende von einem US-Soldaten beschenkt wird – mit einem Laib Brot und Schokolade.