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Rottenburg Böse gegen die Protestanten gewettert

Schwarzwälder-Bote, vom 23.01.2012 21:23 Uhr

Von Marly Scharnowski Rottenburg. Trotz des kalten Wetters fanden sich knapp 60 Interessierte zur musikalisch-historischen Führung ein, die anlässlich des 200-jährigen Bestehens der evangelischen Kirchengemeinde Rottenburg ausgerichtet wurde. Christina Kuttler präsentierte stilvoll und gekonnt die jeweilig passenden Stücke an den Orgeln. Ursula Kuttler-Merz schilderte mit dem ihr eigenen Temperament und Wissen das Ganze so kurzweilig, dass die Gruppe bis zum Schluss gespannt zuhörte.

Im 18. Jahrhundert wurden die Pfarrrechte an die Stadt Rottenburg vergeben und ein neues Bistum eingerichtet. Durch die Wirren der napoleonischen Kriege gesellte sich eine Randgruppe Protestanten dazu, die sich teils aus dem Militär, teils aus einfachen Landmenschen rekrutiert.

Zunächst wetterte die katholische Kirche böse gegen die "andersgläubigen Eindringlinge", die sich aber hartnäckig widersetzten und eine Kirche oder einen Raum forderten, um ihren Glauben geziemt zelebrieren zu können. Angedacht wurden diese im St. Martin, Jesuitenkolleg, Antoniuskapelle, Kapuzinerkloster, Karmeliterkirche, Spitalkapelle, Klause oder Morizkirche.

Wie stur beide Religionsgemeinschaften waren, erzählte Ursula Kuttler-Merz in ihren Anekdoten. So wollte beispielsweise ein hochkarätiger evangelischer Beamter eine Adlige heiraten, zunächst evangelisch und dann katholisch. Wie stellt die katholische Kirche es an, dass es kein "Geschwätz" gibt?, fragte man sich. Der katholische Geistliche traute das Paar morgens um 5 Uhr, als die meisten Rottenburger noch ihren Stall zu versorgen hatten.

Umgekehrt verwies ein evangelischer Seelsorger eine hochlöbliche Taufe in die völlig ausgeräumte Klausen-Kirche, wo den Protestanten immerhin ein festliches Orgelkonzert gestattet wurde.

Eine besondere Rolle spielte das Karmeliter-Kloster in dieser wirren Zeit. Es wurde eine große Kirche gebaut mit Kirchenschiff, Altar und Empore. In Anbetracht der Reformationsbestrebungen wurde die Kirche unterteilt – die Empore selbst wurde eine kleine Kapelle, durch eine Zwischendecke abgegrenzt vom eigentlichen Kirchenraum.

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