Rosenfeld Den griechischen Politikern gibt er keine guten Noten
Schwarzwälder-Bote, 16.07.2012 16:00 UhrRosenfeld. Kämmerer – das ist der Traumberuf von Ioannis Delakos (37), der für die Finanzen der Stadt Rosenfeld zuständig ist. Als Grieche mit deutscher Staatsbürgerschaft muss er sich aber allerhand anhören über die Zustände in Griechenland.
In seiner Geburtsstadt Bietigheim-Bissingen nahm Ioannis Delakos an einem Schulversuch für griechische Kinder teil: "Meine Eltern konnten sich lange nicht entscheiden, ob sie in Deutschland bleiben." Wie in Griechenland absolvierte er neun Jahre bis zum Ende der Hauptschule. Dann folgen dort drei Jahre am Lyzeum mit Erwerb der Hochschulreife oder eine Berufsausbildung.
Delakos besuchte danach erst die Wirtschaftsschule, dann das Wirtschaftsgymnasium und ging nach dem Studium als Diplom-Verwaltungswirt "in einen der deutschesten Berufe": Er wurde Beamter. Den zwei Jahren am Kommunalen Rechenzentrum in Reutlingen als Berater für Software für neues Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen folgten fünf Jahre als Sachgebietsleiter im Steueramt Rottenburg. Doch Delakos zog es als Leiter in eine Kämmerei, und so bewarb er sich, als die Stelle des Kämmerers in Rosenfeld frei wurde – er wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern seit 1999 in Heiligenzimmern. Seit 2008 ist sein Arbeitsplatz im zweiten Obergeschoss des Rosenfelder Rathauses.
Sehr positiv sei er von den Gemeinderäten aufgenommen worden, sagt Delakos. Auch mit dem Gremium in der jetzigen Besetzung arbeite er gut zusammen. "Fragen in der Sitzung sind nur auf die Sache bezogen", lobt er. "Das Vertrauen ist da, man merkt es im Gemeinderat." Die Finanzen Rosenfelds seien auch besser als die in Griechenland, merkt er an.
Bei aller Zufriedenheit mit seinem jetzigen Job macht Delakos die Lage in Griechenland doch große Sorgen. Informationen bekommt er aus erster Hand: "Meinen Verwandten dort geht es richtig schlecht", berichtet er: "Gespart wird am kleinen Mann." Er versteht den Unmut gegen die harten Sparauflagen, vermisst aber Wachstumsimpulse und Investitionen, um aus der Krise herauszukommen, damit wieder produziert und Geld verdient wird. Harsch fällt seine Kritik aus: "Das System ist gescheitert." Nun gelte es, Wege aus der Misere zu finden. Den Spitzenpolitikern stellt er kein gutes Zeugnis aus.
"Als Grieche werde ich oft darauf angesprochen, meistens im Spaß", sagt Delakos. Meist nimmt er solche Sprüche mit Humor, sagt aber zugleich: "Der griechische Stolz ist schon noch da." Doch habe er in Rosenfeld bewiesen, dass er mit Geld umgehen könne. "Für die Finanzen einer Stadt sind neben dem Kämmerer auch der Bürgermeister und vor allem der Gemeinderat als Hauptorgan verantwortlich", so Delakos.



