Rosenfeld Brandhaus lebt in Tagebuch weiter

Hannelore Kaiser, 03.08.2012 09:22 Uhr

Rosenfeld - Nach dem verheerenden Feuer im April wird derzeit die Brandruine des Hauses in der Bickelsberger Straße abgetragen. "Mit Herzblut sehe ich es", sagt eine ehemalige Rosenfelderin, deren Großeltern vor genau 100 Jahren das Gebäude gekauft hatten.

"Es isch doch mei Hoimat g‘we", sagt die 72-jährige Irmgard Sontheim. Schon als Zweijährige sei sie "zur Ahne, zum Ähne und zur Dote Berta" in dieses Bauernhaus in der Bickelsberger Straße 11 gekommen, habe ihre Kinder- und Jugendzeit darin verbracht und viele Erlebnisse und Gefühle nicht nur in ihrem Herzen, sondern in einem Tagebuch bewahrt.

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Ausführlich schildert Irmgard Sontheim das 1912 von ihren Großeltern, Jakob und Frida Rausch, geborene Halter, erworbene damals stattliche Ökonomiegebäude. Mitsamt der Möblierung beschreibt sie genau die "gute Stube", das "Plumpsklo" und jede "Kammer", von denen in einer neben Bett und Schrank auch eine riesige Truhe mit Mehl stand.

Im angrenzenden Stall standen stets zwei Kühe, "meistens hieß die eine Scheck und die andere Liese". Neben diesen galt es nach Angaben von Irmgard Sontheim auch, ein Kälbchen, einige Hühner, eine "schleckige" Ziege und zwei Schweine täglich zu füttern. Sie erwähnt auch den neben dem "Lädle", einer Durchreiche von der Küche zur Stube, stehenden "riesengroßen gusseisernen Ofen mit wunderschönen Verzierungen". Eine von diesen sieht sie noch heute vor sich: "Wilhelm Tell, wie er seinen Sohn den Apfel vom Kopf schießt". Vorne hatte der Ofen zwei kleine Türen: "Dahinter konnte man etwas zum Wärmen reinstellen, die Bettflasche oder die alte Kaffeekanne und manchmal auch Äpfel zum Braten."

Unten gab es nochmals zwei "Türle": "Die waren meist offen, weil manchmal die Katze da drin lag". Der von der Küche aus zu beheizende Ofen, der viel Holz schluckte, war aber noch für andere Zwecke gut. Auf dem oben rund um den Ofen laufenden Gestänge wurde winters die Wäsche getrocknet, und nach dem traditionellen Haus-Metzgern hingen dort die Bratwürste zum Trocknen.

Dass der schmucke Wärmespender eines Tages von einem Schrotthändler abgeholt wurde, "grämt" die mehrfache Mutter, die seit Jahren in Tailfingen lebt und immer wieder nach Rosenfeld kommt, heute noch. Mehr aber schmerzt sie jetzt, dass von den Mauern, in dem sie einst Heimat und Geborgenheit fand, bald kein Stein mehr zu sehen ist.

Ihrer heute fast 90-jährigen, seit zehn Jahren nach einem Schlaganfall in einem Truchtelfinger Pflegeheim lebenden "Dote" Berta (Rausch) verschweigt sie bewusst das Ende des Gebäudes.

 
 
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