Rohrdorf "Mein Amt noch nie als Sprungbrett gesehen"

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Auch in der vierten Amtszeit will Bürgermeister Flik die Ortsmitte weiterentwickeln. Foto: Kauffmann Foto: Schwarzwälder-Bote

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Er wusste es: "Ich will Bürgermeister werden." Was man in diesem Amt gestalten kann, faszinierte ihn schon als Student. Das reizt Joachim Flik bis heute. Vor 24 Jahren hat er sich ganz bewusst gegen eine Stadt entschieden – und für Rohrdorf.

Rohrdorf. Er erzählt es, als ob es gestern passiert wäre: "Dann habe ich gewusst, dass sich der Wahlkampf und die Anstrengungen gelohnt haben, ich war erleichtert", erinnert sich Bürgermeister Joachim Flik. Im ersten Wahlgang hatte er vier Gegenkandidaten, im zweiten noch zwei. Der Moment des Sieges wird ihm unvergessen bleiben. Doch er ist schon mehr als zwei Jahrzehnte her.

Inzwischen blickt Flik auf 24 Jahre als Bürgermeister von Rohrdorf: "Ich habe mein Amt noch nie als Sprungbrett gesehen, es ist eine Lebensaufgabe", betont Flik. Er freut sich: "Bürgermeister sein ist toll. Das hält jung und fit." Nun möchte er, wie Flik sagt, die Dinge, die er angefangen hat, weiter und zu Ende führen. Dafür visiert der 58-Jährige eine vierte Amtszeit an.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten hätte er als junger Mann auch in eine Großstadt gehen können. Aber es kam anders: "Ich habe mich bewusst für eine kleine Gemeinde entschieden." Diese Entscheidung hat er nicht bereut. "Als Oberbürgermeister einer großen Stadt hat man seine Amtsleiter und Sachbearbeiter." Worauf er damit anspielt: Eine Großstadt ist für einen Bürgermeister nicht mehr überschaubar. Flik sagt es so: "Als OB muss man da immer auch ein bisschen Politiker sein." In Rohrdorf pflegt er zu vielen Einwohnern einen persönlichen Draht, denn "vieles geht nur über gegenseitiges Vertrauen".

Und noch etwas ist spannend an seiner Entscheidung für Rohrdorf: Es sind die Menschen, die dort leben. "Es muss einfach passen", sagt er. Damit spielt er vor allem auf die Mentalität an: "Die Schwaben sind tüchtig und eher zurückhaltend." Hätte ihn jemand in die Karnevalshochburg Köln gesteckt, es wäre ihm unwohl gewesen. Nein, Rohrdorf musste es sein. Hier hat er gebaut und seine drei Kinder im familiären 2000-Einwohner-Ort großgezogen.

"Man darf nicht vergessen, wo die eigenen Wurzeln sind"

Diese heimatliche Verbundenheit zählt viel bei ihm: "Man darf nicht vergessen, wo die eigenen Wurzeln sind", mahnt Flik, geboren in Althengstett als eines von fünf Kindern. "Wir mussten ohne die Unterstützung unserer Eltern studieren", erzählt er. "Da bekommt man als Bürgermeister ein ganz anderes Verständnis für Leute, die wissen, was es heißt, jeden Tag zu arbeiten." Wichtig sei ihm daher, den Menschen "auf Augenhöhe" zu begegnen.

Zwar wusste er schon früh: "Ich will Bürgermeister werden". Aber er sagt auch: "Damals wollte ich nicht direkt nach dem Studium Bürgermeister werden." Vielmehr wollte er zuerst Erfahrung im Bereich der öffentlichen Verwaltung sammeln. Nach seinem Studienabschluss als Diplom-Verwaltungswirt an der Fachhochschule in Kehl legte er ab 1983 gleich mehrere Stationen in den Rathäusern der Region ein, unter anderem als Hauptamtsleiter bei der Gemeinde Ebhausen.

Zehn Jahre hat er sich Zeit gelassen, bis er seinen Hut bei der Wahl in Rohrdorf 1993 als Kandidat für das Bürgermeisteramt in den Ring geworfen hat. Man tue sich als Bürgermeister nämlich leichter, wenn man Verwaltungswissen und Erfahrung mitbringe.

Dennoch sei in der Praxis vieles komplizierter, vor allem in der Anfangsphase. "Das Gewerbegebiet Kämmerle umzuwandeln war damals eine schwierige Aufgabe, vor allem als junger Bürgermeister." Ein weiteres Projekt, mit dem er bald nach Amtseinführung angefangen hat, war die Ortsumfahrung und die Gestaltung der Ortsmitte. "Da bin ich bis heute dran", sagt er. Konkret steht er hier im Gespräch mit Eigentümern, Erben und Bewohnern. Über persönliche Kontakte möchte er erreichen, dass der Ortskern lebendig bleibt und nicht verfällt, bewusst habe die Gemeinde in den letzten Jahren darauf verzichtet, am Ortsrand Neubaugebiete auszuweisen.

"Man muss als Bürgermeister eine Vision haben"

Er betont: "Man muss als Bürgermeister eine Vision haben, ein Bild wie es in Zukunft im Ort aussehen soll, auch bei der Ortsmitte." Ihm gehe es vor allem darum Leerstände zu vermeiden, indem alte Häuser gekauft werden, um sie danach zu sanieren oder abzureißen, um innerhalb der Gemeinde einen neuen Bauplatz auszuweisen.

All das koste viel Zeit. "Natürlich ist das ein Job, bei dem man auch manchmal sechs oder sieben Tage in der Woche arbeitet, man ist auch zum Mittagessen nicht immer Punkt zwölf daheim", resümiert Flik. Letztlich ist daher seine ganze Familie ein bisschen Bürgermeister, denn sie muss "mitziehen". Seine Frau habe auch Verwaltung studiert, weshalb sie die Situation von Anfang an gut einschätzen konnte.

Die vierte Amtszeit hat Flik schon fest im Blick und lacht: "Ich fühle mich nicht so alt, um schon mit 58 Jahren aufzuhören."

Der Gemeindewahlausschuss hat Joachim Fliks Bewerbung zur Bürgermeisterwahl zugelassen: "Die Bewerbung wird auf dem Stimmzettel berücksichtigt", verkündete Silke Lenz, Vorsitzende des neunköpfigen Gremiums, bei der Sitzung. Seine Unterlagen seien formgerecht und innerhalb der Frist eingegangen. Lenz gab ferner bekannt, dass bis Fristende keine weiteren Bewerbungen im Briefkasten lagen. Damit ist Flik bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 5. Februar, der einzige Kandidat auf dem Stimmzettel.

 
 
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