Von Barbara Rennig

Rohrdorf. Auch wenn sie wegen ihrer schmalen Rente jeden Euro zweimal umdrehen müssen, sind Erna und Viktor Breder glücklich, in Deutschland zu sein. Heute feiert das Paar, das sich seit elf Jahren in Rohrdorf gut eingelebt hat, seine goldene Hochzeit.

Als jüngste von neun Geschwistern wurde Erna Schellhorn 1938 in Saratow an der unteren Wolga geboren, verlor aber bereits mit drei Jahren ihren Vater, der von den Russen deportiert wurde. Nach dem Krieg, als die Deutschen aus ihren Siedlungen vertrieben wurden, musste Erna Schellhorn in einem Arbeitslager in Novosibirsk schuften, ebenso wie ihr späterer Mann Viktor, der bereits zu Kriegsbeginn mit der Familie aus Saratow nach Sibirien verschleppt worden war. Die beiden jungen Leute kannten sich aus der Schulzeit, und nachdem Viktor Breder sich drei Jahre in der so genannten Arbeitsarmee hatte abplacken müssen, besuchte er zwischen 1961 und 1967 eine Abendhochschule, um sich neben seiner Arbeit als Mechaniker zum Elektroingenieur ausbilden zu lassen.

1962 schloss das Paar den Bund fürs Leben, doch obwohl sich nach dem Tod Stalins die Gesetze etwas gelockert hatten, konnte die deutschstämmige Familie mit den beiden Töchtern nicht mehr in die Heimat an der Wolga zurück.

Mehrere Jahre lang stellten sie Anträge auf Ausreise nach Deutschland, doch erst 1998 konnten sie übersiedeln, zunächst ins Lager Friedland, dann nach Freiberg/Sachsen, wo eine der Töchter bereits wohnte.

Unter den Russen immer wieder als "Faschisten" beschimpft, erlebte das Ehepaar in Deutschland die ablehnende Haltung gegenüber den "Russen" und tat sich anfangs schwer mit dem Einleben als Deutschstämmige unter Deutschen. Auch der Arbeitsmarkt war eher ungünstig. Als einer der Schwiegersöhne 2001 Arbeit in Süddeutschland fand, zogen Erna und Viktor Breder nach und freuen sich, dass sie ihre Lieben, zu denen fünf Enkel und ein Urenkel gehören, ganz in der Nähe um sich haben. Obwohl sie sehr bescheiden leben müssen, sind sie in ihrer Wahlheimat Rohrdorf äußerst zufrieden. Viktor Breder erledigt immer wieder allerhand Reparaturen im und rund ums Haus und lernt seit einem Jahr Keyboard, während Erna Breder gerne Handarbeiten macht.

Den besonderen Hochzeitstag möchte das Jubelpaar mit der Familie verbringen und ist schon ganz gespannt auf die Überraschung, die die Kinder angekündigt haben.