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Von Diana Nägele
Rohrdorf/Uganda. Lehmstraßen mit tiefen Schlaglöchern, Ware, die auf der Straße liegend zum Verkauf angeboten wird – die Eindrücke, die Frank Mutschler und seine Frau Rita in Uganda gesammelt haben, sind ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben. Grund ihres Afrika-Aufenthalts war ein Besuch bei der ehemaligen Rohrdorferin Ruth Walz-Kalafa in ihrem Waisenhaus.
Vor einigen Jahren wanderte Ruth Walz-Kalafa aus Rohrdorf nach Uganda aus. Dort leitet sie inzwischen zusammen mit ihrem Mann Francis und vielen Mitarbeitern ein Waisenhaus.
Uganda sei ein Land mit vielen Gegensetzen, berichtet Frank Mutschler über seine Afrikareise. Die Hauptstadt Kampala sei recht modern, doch sobald man die Stadt verlasse, "ist das Leben komplett anders", sagt Mutschler. Wer wenig oder kein Geld hat, lebt dort in notdürftigen Baracken. "Das Leben spielt sich deshalb auf der Straße ab", stellt er fest. Wie bei dem Möbelverkäufer, dem die Besucher aus Deutschland in Uganda begegnen. Er selbst sitzt in einer kleinen Holzbaracke, seine Möbel stehen auf der staubtrockenen Lehmstraße. Bei Regen habe er alle Hände voll zu tun, seine Ware ins Trockene zu schaffen, berichtet Mutschler. Sogar Nahrungsmittel wie etwa Fleisch werden in Holzbaracken oder sogar davor auf der Straße liegend zum Verkauf angeboten, "ungekühlt bei 30 Grad Wärme", wie sich Frank Mutschler erinnert.
Dagegen bieten Ruth Walz-Kalafa und ihr Mann Francis den 75 Waisenkindern ein Leben in festen Gebäuden. Dass das möglich ist, dazu trägt ihre Heimatgemeinde Rohrdorf regelmäßig ihren Teil bei. Dort backt die Initiative Kalafa mehrmals im Jahr. Den Erlös schicken die fleißigen Helfer an das Waisenhaus. Zu Ostern bemalt ein Hauskreis Ostereier und verkauft sie, ebenfalls zu Gunsten des Waisenhauses. Auch Frank Mutschler, der in Rohrdorf aufgewachsen ist, jetzt aber in Sindelfngen wohnt, spendet zusammen mit seiner Frau regelmäßig Geld ans Waisenhaus.
Geld, das man dort weiter sehr gut gebrauchen kann. Bei ihrem Besuch im Waisenhaus entdecken die Mutschlers viele Baustellen: Das Haus der Jungen ist nur im Erdgeschoss fertig ausgebaut und auch nur dort bewohnbar, der Ausbau des Obergeschosses steht noch an. Wenn alles fertig ist, können die Kalafas noch mehr Kinder ein Zuhause bieten. Sobald irgendwelche Mittel vorhanden sind, wollen die Kalafas weiter bauen.
Während ihrer Zeit im Waisenhaus haben Rita und Frank Mutschler auch selbst mit angepackt und dem Speisesaal einen neuen Anstrich verpasst. Als sie den Boden mit alten Zeitungen auslegen, passiert das Unerwartete: Die Kinder kommen angerannt und lesen interessiert die Artikel. "In Deutschland haben wir so etwas noch nie gesehen", sagt Mutschler. Das zeige, dass Zeitung dort etwas Besonderes, nicht Alltägliches ist. Am meisten erstaunt das Ehepaar, wie viel die Familie Kalafa dort mit für europäische Verhältnisse wenig Geld erreicht hat.
Solaranlagen sind keine so gute Idee
Überrascht zeigen sich Rita und Frank Mutschler auf ihrer Reise über die Tatsache, dass nicht genug Strom im Land produziert wird. Abends gibt es ab 20 oder 21 Uhr kein elektrisches Licht mehr. Doch die Mitarbeiter im Waisenhaus wissen sich zu helfen. Sie nehmen einfach den Holzgrill, um den Kindern das Abendessen zu kochen. Als bei manchen Schulkindern Prüfungen anstehen, werfen die Mitarbeiter ein Notstromaggregat an, damit sie abends noch ein wenig lernen können. Solaranlagen wären für die Bewohner dort sehr praktisch, dachten sich Mutschlers anfangs, doch für die Reparatur ist kein Geld vorhanden, Fachpersonal ist dort Mangelware.