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Richtig lernen Mehr Hirn für die Schule

Martin Ebner, vom 22.08.2010 11:00 Uhr
  Foto: ddp
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Stuttgart - Unterrichtsreformen könnten genauso wissenschaftlich überprüft werden wie neue Medikamente. Lehrer sollten auch lernen, was Gehirnforscher zu den Themen Lernen, Aufmerksamkeit und Neugier herausgefunden haben.

Mal wird im Mathe-Unterricht für Erstklässler die Mengenlehre eingeführt, dann wieder kurzerhand abgeschafft; mal wird in Ostdeutschland die Schulzeit um ein Jahr verlängert, dann wird sie auch an westdeutschen Gymnasien um ein Jahr verkürzt; Studenten wird das Ausland nahegelegt, aber künftige Lehrer dürfen nicht einmal im benachbarten Bundesland studieren... Wird im Bildungswesen hirn- und planlos herumgepfuscht? Von außen betrachtet, drängt sich dieser Eindruck auf. Der Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer formuliert es höflicher. Er sagt zum Beispiel: "Erkenntnisse aus der Gehirnforschung könnten als Grundlage für eine Pädagogik auf wissenschaftlicher Basis dienen." Das bedeutet ungefähr das Gleiche, klingt aber freundlicher.

An der Universitätsklinik Ulm leitet Spitzer das von ihm gegründete Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen. Bekannt ist der umtriebige Forscher auch wegen seiner Fernsehserie "Gehirn und Geist", zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen in Zeitschriften. Vor ein paar Jahren machte er sich Freunde, als er passend zur Computer-Messe CeBIT darauf hinwies, dass mit Computern in den Schulen nur "Zeit verbraten" werde, dass BildschirmMedien "dick, dumm und gewalttätig machen" und dass daran auch noch so viel Medienpädagogik nichts ändern könne, weil sie "nichts bringt". Spitzer ist ein Mann mit einer Mission: Die Bildung soll von der Medizin lernen.

Die Misere der Unterrichtsanstalten fängt schon bei der Lehrerausbildung an, sagt Spitzer: "Stellen Sie sich vor, ich hätte vor 30 Jahren den letzten Patienten gesehen. Wie könnte ich angehenden Ärzten vermitteln, wie sich depressive Menschen heute fühlen und wie man sie nach dem heutigen Stand des Wissens behandelt?" Im Bildungswesen sei das aber der Normalfall: "Professoren, die angehenden Lehrern das Lehren beibringen sollen, haben selbst keine Schüler und teilweise noch nie an einer Schule unterrichtet. Wie soll ein junger Mensch von ihnen lernen, wie man mit Migrationshintergrund, Aggressivität oder Motivationslosigkeit umgeht?" Spitzer empfiehlt den pädagogischen Hochschulen die Universitätskliniken als Vorbild: Sie sollten sich vor allem um die schwierigen Fälle kümmern. Also zum Beispiel Hauptschulen in Ausländervierteln betreuen.

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