
Selbst im Urlaub kann man nicht immer ausschlafen. Schließlich fährt die Fähre zur nächsten Insel irgendwann ab, und das dem Jetlag geschuldete Mittagsschläfchen sollte sich auch nicht bis zum Abend ausdehnen. Spätestens bei der Heimreise ist das rechtzeitige Aufstehen sowieso unabdingbar - wer will schon seinen Rückflug verschlafen?
Zu diesem Zweck hatte ich lange Jahre einen kleinen, runden Reisewecker aus gebürstetem Edelstahl mit elegantem Zifferblatt im Gepäck: Er nahm kaum mehr Platz weg als zehn gestapelte Fünfmarkstücke und konnte nichts, außer zur eingestellten Zeit piepsen. Ein idealtypisches Reisegepäckstück: Kompakt, robust und aufs Notwendigste reduziert.
Heute ist ein Reisewecker so anachronistisch wie eine Telefonzelle. Ohne Mobiltelefon verlässt doch keiner mehr das Haus, geschweige denn das Land. Und mit einem Handy kann man ja bekanntlich nicht nur telefonieren, sondern auch fotografieren, navigieren - sich wecken lassen sowieso. Mit unterschiedlichen Sphärenklängen, mal leiser, mal lauter. Und überhaupt kann das smarte Telefon mindestens sieben verschiedene Weckzeiten speichern.
Dass so ein schlaues Telefon nicht nur den Wecker, sondern auch den Reiseführer und die Landkarte ersetzt, ist allerdings ziemlich nervig. Schließlich kann es heutzutage passieren, dass der Mitreisende mehr auf den Monitor seines Smartphones als in die Landschaft schaut. So viel Aufmerksamkeit hat der kleine Reisewecker nie bekommen. Höchstens, als er im Koffer anfing zu piepsen und sich auf dem Gepäckband bemerkbar machte. Was fast so peinlich war wie der surrende Rasierapparat an einem anderen Band in einem anderen Koffer.
Auf Reisen darf der kleine Wecker schon lange nicht mehr mit. Ein paar Jahre hat er noch seine Schuldigkeit als Aufstehhilfe für den Hausgebrauch getan. Schließlich war er so leicht zu bedienen und so hübsch anzuschauen. Aber nicht unverwüstlich: Irgendwann hat er nicht mehr richtig getickt und ist verschwunden. Zum Fototermin war er jedenfalls nicht mehr aufzufinden.
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