Ihr Beachboy stand in Cannes im Scheinwerferlicht, heute lebt er vermutlich wieder in der Gosse wie zuvor – fühlen Sie sich dabei als Regisseur nicht ebenfalls als Ausbeuter?
Keineswegs, dieser Darsteller hatte das Glück, in diesem Film mitspielen zu können. Es hat ihm gefallen, und er konnte Geld dabei verdienen.

Sie arbeiten gerne mit Laien und Schauspielern, worin liegt der Reiz dieser Mischung?
Es gibt bei nicht professionellen Darstellern viele Talente, die sehr authentisch vor der Kamera sind. Für Film gilt die Regel: Man muss sein, nicht spielen! Aus der Mischung mit Laien und Schauspielern entsteht zudem ein Spannungsfeld, aus dem etwas Besonderes entsteht, weil es nicht geplant oder geprobt ist.

Ihre Filme fallen immer wieder durch die eindrucksvoll kadrierten Bilder auf. Welche Rolle spielt der visuelle Teil für Sie?
Ich komme von der Malerei und der Fotografie und habe immer den Versuch gemacht, in meinen Filmen mit Bildern zu sprechen, die so eigen sind, dass es sie zuvor noch nicht gegeben hat. Ich möchte über die Bilder Emotionen mitteilen, die man verbal nicht vermitteln kann.

Wie überzeugen Sie Ihre Darsteller, sich derart freizügig der Kamera auszuliefern?
Wenn Schauspieler mit mir arbeiten, wissen sie, was auf sie zukommt. Wer sich schämt, wäre für solche Rollen nicht geeignet.

Wo liegen die Grenzen der Darstellung für Sie? Wie viel kann man dem Zuschauer zumuten?
Eine Grenze liegt darin, wenn sich etwas falsch anfühlt und nicht stimmig wirkt. Ob etwas dem Zuschauer zumutbar ist, interessiert mich nicht, denn die Schamgrenzen und Sensibilitäten sind ohnehin individuell unterschiedlich.

Aus Österreich kommen viele grandiose Ko­mödien – wäre das Genre kein Reiz für Sie?
Wenn das mein Ansatz wäre, dann hätte ich das bereits gemacht. In meinen Filmen wird ja durchaus viel gelacht, nur bleibt das Lachen dem Publikum sehr oft im Hals stecken. Mich interessieren die Grenzen zwischen Lachen und Weinen.

Was würden Sie sich wünschen, dass die Zuschauer mitnehmen?
Ich würde mir wünschen, dass der Film nachhaltig wirkt bei den Zuschauern. Dass sie Lust bekommen, sich selbst Gedanken zu dem Thema machen und darüber zu ­diskutieren.