Ratshausen/Balingen - Glückliches Ende – böse Begleitumstände? Im Zusammenhang mit der Suche nach dem am Freitag in der Seniorenresidenz in Rathausen zunächst als vermisst gemeldeten und am Samstag wieder aufgefundenen 77-jährigen Mannes gibt es, auf gut Schwäbisch, ein Gschmäckle.

Die Frau, die in der vergangenen Woche fristlos als Geschäftsführerin der Ratshausener Seniorenresidenz entlassen worden war, bekam am Samstagmorgen im Zusammenhang mit der Suchaktion Besuch von der Polizei.

Sie sei von der Hauswirtschafterin der Pflegewohnanlage in Balingen, in der die meisten ihrer Kunden leben und in der sie auch ihr Büro habe, angerufen worden, weil zwei Polizeibeamte auf der Suche nach dem Verschwundenen im Haus waren, so die Frau im Gespräch mit unserer Zeitung. Statt durch den Haupteingang betraten die Beamten demnach das Gebäude durch eine Terassentür – und standen nach Angaben einer Angestellten mitten in der Wohnung eines Mannes, der intensive Betreuung benöigt. Dort seien sie dann auch der diensthabenden Pflegekraft aufgefallen.

Als die ehemalige Geschäftsführerin der Seniorenresidenz daraufhin bei der Polizei anrief und nach dem Grund des Besuchs fragte, habe der Polizist gesagt, dass sie ja bis vor Kurzem in Ratshausen gearbeitet habe und man alle Möglichkeiten, wo sich der Verschwundene aufhalten könnte, überprüfe.

Von Ratshausen – nach Balingen – im Rollstuhl? Die Pflegedienstleiterin vermutet, dass der Inhaber der Seniorenresidenz die Polizei gezielt auf sie angesetzt habe und ihr eine Entführung unterschieben wollte. Nach der Kündigung in der vergangenen Woche habe er ihr das Leben sehr schwer gemacht. Die Polizei bestätigt, dass sie im Rahmen der Suche in der Wohnanlage war: "Das war eine routinemäßige Überprüfung. Bei uns lag aber kein Tatverdacht der Entführung vor", erklärte ein Sprecher gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Der 77-Jährige, der am Samstag um die Mittagszeit in seinem Rollstuhl sitzend im Wald nahe Ratshausen aufgefunden wurde, ist derzeit im Krankenhaus. Nach Angaben seiner Tochter ist "soweit alles in Ordnung". Nach weiteren Behandlungen wird er wieder in Ratshausen einziehen.