Ratshausen Hochwasserschutz kostet 15 Millionen

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Das Hochwasserschutz-Konzept für die Schlichem sieht ein großes Rückhaltebecken samt Dammund Durchlassbauwerk beim Ratshausener Fischweiher sowie den Neubau der Schlichembrückein Dautmergen mit einem größeren Fließquerschnitt vor. Foto: Visel

Ratshausen - Zwischen 13 und 15 Millionen Euro wird der Hochwasserschutz an der Schlichem von Tieringen bis Epfendorf kosten. Geplant ist daher die Gründung eines Zweckverbands, der für die Maßnahmen 70 Prozent an Landeszuschüssen erhalten könnte.

Die Vertreter der Schlichemtal-Gemeinden, die sich am Mittwoch in der Plettenberghalle in Ratshausen getroffen hatten (wir berichteten aktuell), scheinen nicht abgeneigt zu sein, einen solchen Zweckverband zu gründen. Die Beispiele der Zweckverbände Glatt und Starzel verdeutlichten, dass der Hochwasserschutz aufgrund der hohen Kosten am besten solidarisch zu meistern ist.

So war es nicht verwunderlich, dass der Ratshausener Bürgermeister Heiko Lebherz, der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg sowie der für die Wasserwirtschaft zuständige Referatsleiter im Regierungspräsidium Tübingen, Hans-Martin Waldner, die Kommunalpolitiker aufforderten, diesen Schritt zu tun.

Heiko Lebherz zog gegenüber dem Schwarzwälder Boten diese Bilanz: "Die Veranstaltung ist sowohl von den Gemeinde- und Ortschaftsratsmitgliedern als auch von den Bürgermeistern gut aufgenommen worden. Weitestgehendst herrscht Einigkeit, dass wir dieses Großprojekt nur stemmen können, wenn sich alle beteiligen. Ich hoffe daher, dass es schnell zu einer Einigung kommt und ein Zweckverband Hochwasserschutz mit allen Beteiligten gebildet wird."

Einige Zahlen machen deutlich, um was es geht: Andreas Binder vom Landratsamt in Balingen rechnete vor, dass bei Baukosten von 13,5 Millionen Euro für die Schutzmaßnahmen bezogen auf ein 100-jährliches Hochwasser und einem jährliches Hochwasser-Gesamtschadenspotenzial in Höhe von 570 000 Euro das Land 70 Prozent der Kosten, mithin 9,5 Millionen Euro übernehmen werde. Der Zweckverband müssten noch rund vier Millionen Euro selbst aufbringen, die über einen festzulegenden Kostenschlüssel auf die Mitgliedergemeinden umgelegt würden.

Auf die Baumaßnahmen in Ratshausen entfallen allein Kosten von 4,5 Millionen Euro, ein Rückhaltebecken an der B 27 (Schwarzenbach) kostet 1,4 Millionen, die Maßnahmen in Dautmergen sind mit rund 1,8 Millionen Euro veranschlagt.

Das Konzept, das der Rottenburger Planer Martin Heberle für das Einzugsgebiet der Schlichem mit ihren Zuflüssen vorstellte, umfasst Hochwasserrückhaltebecken in Ratshausen, im Bereich zwischen Schömberg/Zimmern unter der Burg und bei Rotenzimmern sowie 60 lokale Schutzmaßnahmen. Das größte Einzelprojekt ist das Becken in Ratshausen mit einem Fassungsvermögen von 400 000 Kubikmeter, einer Stauhöhe von etwa zwölf Metern und einem 60 Meter breiten Damm.

Dafür sind zwei Standorte zwischen Ratshausen und Hausen am Tann im Bereich des Fischweihers möglich. Heberle tendierte zur Variante I direkt beim Weiher. Variante II sieht das Becken hinter dem Weiher vor. Nachteil: Die Kreisstraße 7170 wäre beeinträchtig; man müsste sich laut Heberle Gedanken um eine neue Trasse machen.

Durch dieses Becken hätten beim großen Hochwasser im Jahr 1975 40 Prozent der Wassermassen zurückgehalten werden können. Die Abflussspitze würde dadurch von 66 Kubikmeter pro Sekunde auf 22,5 Kubikmeter pro Sekunde verringert werden, sagte Heberle. Das Becken hätte sogar Auswirkungen auf Dautmergen, weil dort die Abflussmenge dadurch bei einem 100-jährlichen Ereignis um 30 Prozent auf dann 40,7 Kubikmeter pro Sekunde verringert werden könnte.

Unter anderem sind diese Einzelmaßnahmen geplant:

  • Tieringen: Linienschutzmaßnahmen (Dämme und Mauern) über eine Länge von 65 Metern; Verdolung teilweise aufweiten
  • Hausen am Tann: Linienschutzmaßnahmen sowie ein Rückhaltebecken im Bereich Waldausbach mit einem Volumen von 20 000 Kubikmeter
  • Ratshausen: Hochwasserrückhaltebecken, weitere Maßnahmen in der Ortsmitte, neue Verdolung Wettbach, Erhöhung des Fußgängerstegs, Objektschutz am Mittelbach
  • Schömberg, Obere Säge: 75 Meter lange Schutzmaßnahmen mit einer Höhe von bis zu 2,5 Metern, keine weiteren Maßnahmen am Stausee
  • Dautmergen: Neubau der Schlichembrücke mit einem größeren Fließquerschnitt, Aufweitung von Verdolungen sowie Schutzmaßnahmen auf eine Länge von mehr als 200 Metern
  • Täbingen: Rückhaltebecken oberhalb der Ortschaft mit einem Volumen von 10 000 Kubikmeter
  • Rosenfeld, Mühlen: Schutzmaßnahmen auf eine Länge von 170 Metern mit einer Höhe von bis zu zwei Metern;
  • Rotenzimmern/Böhringen: lokale Schutzmaßnahmen, teils beidseitig der Schlichem mit mehreren hundert Metern Länge und einer Höhe von bis zu 1,5 Metern, Dämme, eventuell Gestaltung des Gewässers und Aufweitung von Brücken.
  • Zimmern unter der Burg: Rückhaltebecken im Bereich Schwarzenbach zwischen Schömberg und Zimmern unter der Burg an der B 27, Teile der Verdolung des Schwarzenbachs in Schömberg offen legen, in Zimmern innerorts weitere Schutzmaßnahmen im Bereich des Schweigholzbachs;
  • Irslingen: lokale Schutzmaßnahmen

Mitglieder der Bürgerinitiative Schlichem aus Dietingen sagten, sie seien von den Linienschutzmaßnahmen in Böhringen und Rotenzimmern nicht begeistert. Diese beeinträchtigten das Ortsbild. Sie plädieren für ein größeres Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Gemeinde Rotenzimmern.

 

 

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