
Von Roland Beiter
Rangendingen. Ist die Gemeinschaftsschule eine Alternative für den ländlichen Raum? Rektor Hubert Walz und Bürgermeister Johann Widmaier aus Rangendingen sagen ganz klar: Ja. Die Einführung der Gemeinschaftsschule bedeutet für die Schulen einen Schnitt. Denn verbunden mit dem neuen System ist ein ganz neues pädagogisches Konzept, wie der Rektor der Grund- und Werkrealschule Rangendingen/Hirrlingen erläuterte. Kernpunkt ist der gemeinsame Unterricht für Schüler mit verschiedenen Lernzielen. Aufbauend auf einem Basiswissen, das alle Schüler erreichen müssen, baut die eigentliche Stoffvermittlung,innerhalb der einzelnen Klassen immer weiter auf. "Es wird nicht am Leistungsstand schwacher oder guter Schüler vorbei unterrichtet, da steckt Motivation drin", erklärt Walz.
Lerngruppe statt einheitlicher Klassenverband, das sei eines der Grundelemente dieses Konzepts. Die Schüler würden sich individuell Kernwissen für die Hauptschule, einen mittleren Schulabschluss oder sogar die Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium aneignen.
Den größten Vorteil daran sieht Walz darin, dass individuelles und gemeinsames Lernen genau dem Leistungsstand jedes einzelnen Schülers entsprechen. "Wir könnten Kinder gezielter fördern, in ihren Stärken und Schwächen", erläuterte er. "Das wäre für mich eine sozial gerechte Schule ohne frühzeitige gesellschaftliche und soziale Sortierung". Der bislang bestehende enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg könne damit aufgebrochen werden. Selbst Kinder mit Behinderungen könnten an einer Gemeinschaftsschule unterrichtet werden.
Doch dafür müsste sich einiges ändern an der Rangendinger Schule. Neue Bildungspläne wären die Folge. "Wir bräuchten die dritte Fremdsprache ab Klasse sechs, am besten als Wahlfach", so Walz Lehrer müssten sich als Team verstehen, es gebe nicht mehr nur Noten, sondern den persönlichen Beurteilungen käme besondere Bedeutung zu. Am Ende stünden aber auch dort Prüfungen.
Die besondere Situation, dass bislang an zwei Standorten unterrichtet wird, wollen Walz und Bürgermeister Widmaier so aufgreifen, dass die Klassen fünf und sechs der Orientierungsstufe in Hirrlingen, die Klassen sieben bis zehn in Rangendingen unterrichtet werden. Das wäre für beide Schulstandorte auch räumlich zu stemmen, ergänzt Widmaier. Viele Voraussetzungen, wie die zwingend geforderte Ganztagesbetreuung oder Schulsozialarbeit, sind bereits erfüllt. Eine Einführung der Gemeinschaftsschule wäre im Schuljahr 2013/2014 möglich.
Bis Herbst haben beide Gemeinden noch Zeit, ihr Konzept für eine Bewerbung auszuarbeiten. Derzeit hat die Joachim-Schäfer-Schule 450 Schüler. 100 Schüler kommen aus Hirrlingen, 50 von ihnen besuchen in Hirrlingen die Klassen 5 bis 7.