Podiumsdiskussion Im OB-Wahlspiel setzt sich der Grüne durch

Josef Schunder, 21.06.2012 14:30 Uhr

Stuttgart - Der Grüne Fritz Kuhn hat es spielend auf den OB-Sessel geschafft. Aber zumindest vorläufig nur im Spiel. Im Wahlspiel bei der Podiumsdiskussion der Volkshochschule Stuttgart. Und die schlechte Nachricht Nummer 2 für die Grünen: Im zweiten Wahlgang am Veranstaltungsende verlor Kuhn bei 32 Prozent der Stimmen sechs Punkte gegenüber der ersten Runde zu Veranstaltungsbeginn.

Nicht anders erging es Bettina Wilhelm, der parteilosen Kandidatin der SPD, die von 25 auf 18 Prozent zurückfiel, und dem bürgerlichen Bewerber Sebastian Turner (sechs statt anfänglich zehn Prozent). Kräftig zulegen konnten SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch (20 statt 15 Prozent) und der andere S-21-Gegner Jens Loewe, der Mann vom Wasserforum (16 statt sechs Prozent). Nur für den Piraten gab es absolut keine Beute. Harald Hermann war und blieb bei null Prozent. Aber klar: Repräsentativ für Stuttgarts Wähler waren die Abstimmenden im Treffpunkt Rotebühlplatz nicht. Es handelte sich um angemeldete Besucher, und unter sie drängten sich Stuttgart-21-Gegner mit den Insignien des Protests: mit Transparenten.

Die Luft im Saal stickig, die Zuhörerreihen und die Tribüne mit rund 300 Menschen komplett gefüllt, draußen auf dem Flur auch noch einmal etwa 80 Zuhörer: Über geringes Interesse an der OB-Wahl konnte man da wirklich nicht meckern, zumal der tatsächliche erste Wahlgang in Stuttgart erst in gut drei Monaten stattfinden wird.

Rockenbauch: Würde er OB, wäre das Beginn einer politischen Veränderung

Für Stuttgart 21 und das Thema Verkehr opferten Kandidaten und Moderatoren die meiste Zeit. Kuhn sagte, er rechne am Ende eher mit zehn statt mit fünf Milliarden Euro Kosten. Der neue OB müsse kritisch auf die Bahn und die Kosten schauen. Wilhelm erntete Pfiffe für die Aussage, sie verstehe es als OB-Job, Entscheidungen von Gremien oder gar vom Volke umzusetzen.

Rockenbauch behauptete, ob einer Reihe von „Rechtsverstößen“ habe ein OB eine Fülle von Möglichkeiten gegen das Projekt. Würde er OB, wäre das Beginn einer politischen Veränderung. Dann würde sich auch die Mehrheit im S-21-freundlichen Gemeinderat ändern. Loewe urteilte, in puncto S 21 Versprechungen zu machen, „wäre albern“. Er warf der Politik aber die Täuschung der Bürger in wesentlichen Punkten vor – und das Ergebnis eines Volksentscheids „hebelt nicht die Rechtsstaatlichkeit aus“.

Für Hermann war klar, dass die juristischen Klagen von Gerichten entschieden werden und nicht vom OB. Dieser dürfe die Bahn aber nicht besser behandeln als andere Bauherren. Turner erkannte „große Entfaltungsmöglichkeiten“ für die Stadt durch freiwerdende Gleisflächen. Schon die Aussicht darauf wirke „wie ein Magnet“. Er möchte aufs Tempo drücken, um Belästigungen durch den Bau zu verringern. Die Reaktion: Unbehagen bei vielen Besuchern und Einspruch von Kuhn: „Sicherheit geht hier vor Schnelligkeit.“ Am Ende ging allen die Zeit aus. Am 2. Oktober gibt es aber eine Neuauflage, dann moderieren Axel Graser und Martina Klein vom SWR nicht nur, dann ist das SWR-4-Radio Mitveranstalter.

 
 
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