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Pforzheim Schierer Wahnsinn hinter großbürgerlicher Fassade

Schwarzwälder-Bote, vom 31.01.2012 08:00 Uhr
Verlorener Sohn aus guter Gesellschaft: Avery Sutton (Daniel Golubovic) kehrt nach acht Jahren Weltreise erstmals zu seinen Verwandten zurück – gemeinsam mit seiner hübschen Verlobten Gillian (Sonja Jarosch). Foto: Schwarzwälder-Bote
Verlorener Sohn aus guter Gesellschaft: Avery Sutton (Daniel Golubovic) kehrt nach acht Jahren Weltreise erstmals zu seinen Verwandten zurück – gemeinsam mit seiner hübschen Verlobten Gillian (Sonja Jarosch). Foto: Schwarzwälder-Bote

Pforzheim. Ausdauernder Beifall für eine turbulente Geschichte: Beim Osterfeld-Publikum kam Michael McKeevers schräge Südstaaten-Komödie "37 Ansichtskarten" unter der Regie von Susanne Lehmann und Bettina Leicht bestens an. Der "untoten" Großmutter Nana – von Wiltrud Griebl herzerfrischend gespielt – genügten ein, zwei Tippelschritte und ein leichtes Kopfwackeln, um sofort alle Lacher auf ihre Seite zu ziehen.

Doch der Reihe nach: Avery Sutton (Daniel Golubovic) ist der verlorene Sohn einer Familie aus der besseren Gesellschaft. Nach acht Jahren Weltreise kehrt er erstmals zu seinen Verwandten zurück – gemeinsam mit seiner hübschen Verlobten Gillian (Sonja Jarosch). Sie hat sich ihren Antrittsbesuch wahrlich anders vorgestellt: Die Familie gleicht einem Narrenschiff. Averys Mutter (Susanne Lisovski) scheint völlig durchgeknallt, der Kilt tragende Vater (Markus Vetter) zu keiner über Golf hinausreichenden Kommunikation mehr in der Lage, und die totgeglaubte Großmutter beschimpft die junge Frau munter und derb als Zwei-Dollar-Flittchen. Halbwegs normal und gastfreundlich begegnet ihr eigentlich nur Tante Ester (Maren Leicht); doch auch die hat ihre dunklen Seiten und plant in dem abrutschgefährdeten Zuhause ganz unverhohlen einen zweiten Telefonanschluss für ihre florierende Sex-Hotline.

So weit, so überdreht. In der Pforzheimer Inszenierung schaffen es die beiden Regisseurinnen, ihre Darsteller Puzzlestücke an Informationen preisgeben zu lassen, die sich – ohne Spannungsabriss – nach und nach zu einem gar nicht mehr so komischen Familienpanorama fügen. Am Schluss ist klar, weshalb alle so sind, wie sie sind – und weshalb der schiere Wahnsinn hinter dieser großbürgerlichen Fassade wohnt.

Weitere Aufführungen von "37 Ansichtskarten" im Kulturhaus Osterfeld finden statt am: 3. Februar, 20 Uhr; 11. Februar, 20 Uhr; 12. Februar, 15 Uhr; 9. März, 20 Uhr; 10. März, 20 Uhr; 6. Juli, 20 Uhr; 7. Juli, 20 Uhr.

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