Pforzheim Not macht Auszubildende erfinderisch

Schwarzwälder-Bote, 12.07.2012 20:30 Uhr

Pforzheim. Ein Schicksalsschlag hat Norbert Cichosch und seine Familie ereilt und an seiner Arbeitsstelle keinen kalt gelassen. Um seiner Frau, die im Wachkoma liegt, zu helfen, machen die Auszubildenden der Kleiner GmbH gemeinsame Sache. Mit Unterstützung der Geschäftsführung des Stanztechnik-Unternehmens haben sie einen Eierbecher konzipiert und produziert. Das ehrgeizige Ziel: 1000 Exemplare sollen verkauft und so 10 000 Euro für eine Intensivtherapie erwirtschaftet werden.

"Gigantisch" und "extrem wichtig" nennt Cichosch diese Hilfsaktion. Denn die Unterstützung vonseiten der Behörden sei "äußerst unbefriedigend". Die Rentenversicherung habe eine Reha als nicht gerechtfertigt beschieden. Die von der Krankenkasse ermöglichten therapeutischen Maßnahmen seien begrenzt. Und das, obwohl große Fortschritte zu verzeichnen sein, seit seine Frau im Oktober 2010 infolge einer Hirnblutung zusammengebrochen war.

Der anfängliche Koma-Zustand habe sich gewandelt. Die 44-Jährige könne heute gezielt nach Gegenständen greifen und minutenlang stehen. Hoffnungen setzen der 43-Jährige und seine 17-jährige Tochter nun in eine Intensivtherapie. Doch die Kosten in Höhe von 13 000 Euro müssen sie selbst schultern.

Sie stehen nicht alleine da. Die Katholische Gesamtkirchengemeinde Karlsruhe hat ein Spendenkonto eröffnet. Und auch die Hilfewelle seiner Kollegen rollt. "Ein unglaublicher Ruck" sei durch die Auszubildenden gegangen, berichtet Anna dos Santos-Keller, Personalchefin der Kleiner GmbH. Rund 40 junge Mitarbeiter arbeiteten mit Feuereifer Hand in Hand, um das Azubi-Projekt zum Erfolg werden zu lassen.

Die Geschäftsführung stellte mehr als 10 000 Euro zur Verfügung, damit der Becher produziert und mit einem Löffel versehen werden kann. Cichosch habe auch in diesen für ihn so schwierigen Zeiten immer 100 Prozent Einsatz für seinen Arbeitgeber gezeigt. "Das Emotionale können wir ihm nicht abnehmen", weiß Anna dos Santos-Keller, "aber wir wollen etwas zurückgeben und ihm zeigen, dass viele Menschen hinter ihm stehen."

 
 
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