
Pforzheim - Der Ort, wo sonst die "Großen" tagen, war am Montag fest in junger Hand. 64 Jugendliche aus den verschiedensten Schularten haben sich auf den Ratssesseln niedergelassen und die Wände des Ratssaals im Rathaus mit Plakaten bestückt.
Darauf zu lesen: Ideen, wie junge Leute in Pforzheim kommunalpolitisch mehr mitreden und -gestalten können. Erarbeitet haben dies die Schüler und Auszubildenden in einem Workshop. Unter der Moderation des freien Kommunalberaters Udo Wenzl beschäftigten sich die jungen Leute mit Stärken und Schwächen ihrer Stadt sowie der zentralen Frage: Wie muss ein Beteiligungsmodell für Jugendliche aussehen, das von allen Jugendlichen angenommen wird?
Dabei kristallisierte sich in den Arbeitsgruppen der Wunsch nach einem Jugendbüro und einem Jugendgemeinderat heraus. Beim Büro könnten sich die Workshop-Teilnehmer eine Anlaufstelle vorstellen, an die sich Jugendliche mit ihren Problemen und Anliegen wenden können und die die Sitzungen des Jugendgemeinderats vorbereitet. Eine solche Stelle könnte nach Aussage von Wenzl bei der Stadt oder beim Stadtjugendring angesiedelt sein. Denkbar wäre für die Jugendlichen, dass ein Hauptamtlicher mit im Boot ist – unterstützt durch Jugendliche selbst, die auf Augenhöhe mit ihren Altersgenossen sind.
Auch in Sachen Jugendgemeinderat haben die Werkstattteilnehmer ganz konkrete Ideen: Ihren Vorstellungen nach könnte dieses Gremium entweder aus gewählten Abgeordneten der verschiedenen Pforzheimer Stadtteile oder aber aus Vertretern der Schulen bestehen. Dies hätte den Vorteil, dass dann auch Jugendliche aus dem Enzkreis, die in Pforzheim zur Schule gehen und hier ihre Freizeit verbringen, politisch mitreden könnten. Ein bis zwei Jahre lang sollte sich ein Jugendlicher schon in diesem Ehrenamt engagieren, so die Meinung der Teilnehmer, und als Anerkennung ein Zertifikat bekommen.
Das entgegneten die Jugendlichen den anwesenden Vertretern der Pforzheimer Gemeinderatsfraktionen. Diese begrüßten das große Interesse der Jugendlichen und signalisierten auch Unterstützung beim Thema Jugendgemeinderat. Allerdings mahnten die Kommunalpolitiker auch kritisch an, dass die jungen Leute im Jugendgemeinderat eine Zeitlang bei der Stange bleiben müssten.
Für die Jugendlichen indes ist ganz wichtig, dass ein Jugendgemeinderat auch ein Mitspracherecht im Ratsgremium der Stadt haben muss. Zudem wünschen sich die Jugendlichen eine frühzeitige politische Bildung in den Schulen und eine bessere Öffentlichkeitsarbeit bei Jugendthemen.
"Es ist gut, wenn junge Menschen sagen, was sie wollen", ermunterte Sozialbürgermeisterin Monika Müller die Teilnehmer, im Gemeinderat für ihr Anliegen zu werben. Am 14. Februar sollen die Ergebnisse der Beteiligungswerkstatt dort vorgestellt werden.