
Enzkreis. Die Hauptschulen in der Region drohen auszubluten. 2030 Schüler kamen in diesem Schuljahr aus den vierten Klassen der Grundschulen im Enzkreis in die weiterführenden Schulen. Doch nur 426 von ihnen, das sind 21 Prozent, gingen in die Hauptschule. Die anderen knapp 80 Prozent verteilten sich auf Realschulen und Gymnasien.
Kein Wunder, dass immer mehr Kommunen verzweifelt überlegen, wie sie ihren Schulstandort stärken können. Denn jetzt lässt auch die – bisher verbindliche – Grundschulempfehlung den Eltern die freie Wahl. Die Schülerzahlen an den Hauptschulen werden deshalb wohl noch stärker sinken. Wollen sich Städte und Dörfer aber darauf einstellen und überlegen, wie die Schulentwicklung in ihren Orten einmal aussehen sollte, sind sie auf sich allein gestellt.
"Jede Gemeinde schafft zurzeit allein vor sich hin", sagt Joachim Eichhorn vom Teamvorstand der Bildungsgewerkschaft GEW Pforzheim-Enzkreis. Weder das Kultusministerium noch das Schulamt Pforzheim bieten für die Region eine Steuerungshilfe dafür an, wohin die Reise in den einzelnen Räumen des Enzkreises gehen könnte. "Von selbst wird eine sinnvolle Schulentwicklung aber nicht funktionieren", sagt Eichhorn.
Als die frühere CDU/FDP-Regierungskoalition 2009 in Baden-Württemberg die neuartige Werkrealschule einführte, ohne den Kommunen unter die Arme zu greifen, handelte sie sich damit viel Ärger ein. Mehrere Nachbargemeinden im Enzkreis scheiterten damals mit ihren Modellen, mehr Hauptschülern einen mittleren Bildungsabschluss an den neuartigen Werkrealschulen zu ermöglichen. Keltern zum Beispiel fand damals bei dieser Schulreform keinen Partner. Die neue Gemeinschaftsschule des Landes war deshalb für die Gemeinde ein Rettungsanker. Keltern will schon im kommenden Schuljahr den neuen Schultyp einführen, spätestens aber 2013.
Doch die neue grün-rote Landesregierung überlässt nun wie die Vorgängerkoalition den Kommunen die Entscheidung über diese neue Schulart. Das sei kein guter Weg, warnt Eichhorn: "Die Frage, ob in Keltern eine Gemeinschaftsschule aufgebaut wird, sollte zum einen die Gemeinde als Schulträger beantworten, dann aber auch die benachbarten Orte."