
Pforzheim. Es ist eine spannende Zeitreise, zu der F.C. Gundlach die Besucher der Ausstellung "Berlin – Paris" im Foyer des Pforzheimer Kulturhauses Osterfeld einlädt. 42 Schwarz-Weiß-Bilder aus den späten 50er- und den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind zu sehen, ein jedes für sich eine fotografische Preziose.
Gundlach, der ab 1949 zunächst Theater- und Filmreportagen veröffentlichte, hat in seinem bewegten Fotografenleben vor allem Mode auf Zelluloid gebannt. Seine Arbeiten sind aber alles andere als bloße Abbildungen, die schöne Frauen in schönen Kleidern zeigen. Gundlach fängt in seinen Bildern auch das Lebensgefühl der Wirtschaftswunderjahre ein und hält ein Stück Zeitgeschichte für die Nachwelt fest.
Gundlach, der nach eigener Aussage beim Fotografieren nie einen Unterschied gemacht hat, ob es eine freie oder eine Auftragsarbeit ist, hat es sich zu eigen gemacht, keine sterilen, der Welt entrückten Abbildungen zu schaffen. Er hat in seinen Werken vielmehr Emotionen abgebildet, die für den Betrachter oft auch körperlich spürbar werden. Ganz gleich ob seine Models über die Straße laufen, als vermeintliche Touristinnen unprätentiös vor bekannten Orten in Paris und Berlin posieren oder aber an glänzenden Karossen lehnen: F.C. Gundlachs Bilder stecken voller Dynamik und Lebendigkeit, voller Fröhlichkeit und einem unverkennbaren Gefühl von Zukunftszuversicht. Dabei spielt er versiert mit dem vorhandenen Licht. Immer wieder fließen die durch das Design geprägte Formen der Zeit figurativ in seine Bilder ein. Und er prägt damit einen unverwechselbaren Stil, der oft kopiert, aber nie erreicht worden ist. Für Gundlach sind die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts die wichtigste Dekade. Und er hat mit seinen Bildern dazu beigetragen, dass dies nicht in Vergessenheit gerät. Denn durch die undistanzierte Fotografie werden die "Swinging Sixties" sogar für jene lebendig, die diese Zeit nicht persönlich erlebt haben.
"Die Modefotografie war für mich immer auch ein Stück Reflektion der Gesellschaft", sagt der Lichtbildner, der aber mit seinen Arbeiten immer auch eins wollte: die Menschen "ein wenig zum Träumen bringen". Das ist ihm brillant gelungen. Die Ausstellung "Paris – Berlin" ist mit ihrer fabelhaften Bildauswahl ein absoluter Höhepunkt in der Ausstellungsreihe zur deutschen Fotogeschichte des Kulturhauses Osterfeld. Und sie ist ein Muss für jeden Liebhaber von Bildern, die in ihrer erzählerischen Sprache beeindrucken und Lust auf mehr machen.
Die Ausstellung "Berlin – Paris" im Kulturhaus Osterfeld Pforzheim ist bis zum 24. März, Dienstag bis Freitag von 18.30 bis 20 Uhr sowie an den Veranstaltungstagen von 18.30 bis 22 Uhr geöffnet.