Pforzheim - Zugegeben: Ein Weltrekord im Gewichtheben oder im 100-Meter-Lauf ist einfacher zu beschreiben. Da stemmt einer so kernig wie keiner, dort rennt einer allen davon.Wenn Martin Straka von seinem erfolgreichen Rekordversuch erzählt, muss er schon ein bisschen weiter ausholen. Und bis ins Detail werden seine Schilderungen nur ausgebuffte Technikfüchse verstehen. Fest steht: Das Wunderwerk des Funkamateurs ist um einiges kniffliger als das Wuchten von Eisen oder das Sprinten auf der Tartanbahn. Und in Sachen Trainingsfleiß steht so ein Super-Funker den Übersportlern in nichts nach.

Sieben Jahre lang hat sich der Pforzheimer auf diesen Rekord vorbereitet. Vor gut 50 Jahren hatte er bei der Oberpostdirektion die Amateurfunker-Prüfung abgelegt. Damals musste man dafür einen Wissensstand vorweisen, der einer Gesellenprüfung zum Rundfunk- und Fernsehtechniker entsprach, sagt Straka. Was heute per Handy und Internet ein Kinderspiel ist, war einst eine Sensation: das Kommunizieren mit Menschen in aller Welt.

Mit CB-Funk, betont Straka, habe seine Leidenschaft nicht im entferntesten etwas zu tun. Der Amateurfunker könne sich "riesengroße Frequenzbereiche" erschließen. Weil Straka stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, war ihm das Übermitteln von Sprache bald nicht mehr genug. Er spezialisierte sich früh auf die Fernsehübertragung. In diesem Sektor hat er nun Maßstäbe gesetzt.

Übermittelt wird nicht etwa ein unterhaltsames TV-Programm, sondern ein ausgeklügeltes Testbild, das jeden Fehler knallhart vor Augen führen würde. Strakas Ziel ist es, die beste Bild- und Tonqualität bei geringster Sendeleistung über eine möglichst große Entfernung zu übertragen.

Als Lichtquelle diente ihm eine Laserdiode in der Größenordnung von wenigen Milli-Watt, wie man sie von Laser-Pointern kennt. Die meisten Komponenten des Systems, das der 76-Jährige auf dem Felsberg im Odenwald – genauer: auf dem dortigen 27 Meter hohen Ohlyturm – zum Einsatz brachte, hat er selbst gebaut. Um das Licht in ein Videosignal umzuwandeln und dieses ins 101 Kilometer entfernte Gaggenau-Freiolsheim zu übermitteln, war Raffinesse und Präzision gefragt. Straka setzte ein Teleskop ein, um das Licht extrem zu bündeln. Es galt, die Laserdiode, die über eine Hochfrequenzleitung mit der Sendeeinheit verbunden ist, im Brennpunkt des Telekops zu positionieren. Über das Objektiv des Teleskops wurde das Licht in einem Öffnungswinkel von Bruchteilen von Bogensekunden abgestrahlt. Schon eine Abweichung im Bereich von Zehntelmillimetern am Sendeteleskop hätte nach 100 Kilometern eine Abweichung im Kilometerbereich bewirkt.

Luftturbulenzen, die Erdkrümmung und weitere Störfaktoren mussten Straka – sein amtliches Rufzeichen lautet übrigens DL8TP – und sein Helfer Jürgen DL8TO berücksichtigen. Über Sprechfunk hielten Sender und Empfänger Kontakt. Denn auch auf der Empfangsseite war von den Funker-Kollegen Norbert DF6IY und Marita DC3IT volle Konzentration gefragt. Sie setzten ebenfalls ein astronomisches Teleskop ein, das exakt auf die entsprechende Entfernung fokussiert war. Straka macht in Fachmagazinen Schlagzeilen. Und hat bereits die nächste Herausforderung im Visier. Vom Feldberg/Taunus könnte eine optische Videoübertragung über 150 Kilometer drin sein.