Pforzheim. Eingeworfene Fensterscheiben zuhauf. Der Blick auf den Knast an der Erbprinzenstraße erfolgt ungetrübt, ebenso der auf die ehemalige Milchzentrale, später Verteilzentrum der Bundespost gegenüber und den Kreisverkehr auf der Nordseite und den Prellbock am Hauptgüterbahnhof, der an die Deportation der Pforzheimer Juden 1940 nach Gurs gemahnt.

Taubenkot liegt auf dem Boden, ebenso scharfkantige Glassplitter, Kabel, Tapeten, Dämm-Wolle, ausgehängte Türen, Plastikfolie, Konservendosen, Papier, am Treppenabgang ein leerer Koffer. An den Wänden glänzen Graffiti, unverputztes Mauerwerk hier, Schlitze in den Wänden dort, abgedrehte Rohre. Vor der Rampe türmen sich Berge aus Stein, parkende Autos, Lastwagen, ein abgestellter Bagger, ein Kleintransporter. Einer der Arbeiter erleichtert sich am Gebäude, ein anderer spaziert durch das Innere der Halle, sagt: "Reparieren?" und schüttelt lachend den Kopf, zieht an seiner Zigarette und gibt sich selbst die Antwort: "Wird teuer."

Die denkmalgeschützte Bauruine gammelt vor sich hin, die Zeiten, als sich die Kunden in der Zentralgenossenschaft (ZG) Raiffeisen hier eindeckten, sind schon ein paar Jahre her. Die ZG zog 200 Meter weiter in einen funktionalen Neubau, hell, mit ausreichend Parkplätzen vor der Tür. Dazwischen ein Waschpark, wo eine Soccer-Halle hätte entstehen sollen.

Die ehemalige Zollhalle kommt zur Güterabfertigungshalle als denkmalgeschütztes Gebäude hinzu, mit der sie früher eine Funktionseinheit bildete. Die ehemalige Zollhalle, so Christoph Timm, präge mit ihrem markanten Kopfbau die Zufahrt zum neuen Gewerbegebiet "Am Hauptgüterbahnhof". Das Ladegleis führe noch in die Halle mit ihrer früheren Betontragwerkstruktur von 1911.

In Pforzheim gibt es einige unendliche Geschichten. Die ehemalige Zollhalle, in die noch ein Gleis führt, sowie die ZG gehören dazu. Oder bald nicht mehr? Im Jahr 2009 hatte der Geschäftsmann Giovanni Salamone – er handelt unter anderem mit Gebrauchtwagen und macht in Immobilien – der aurelis Real Estate & Co. KG (ehemals Deutsche Bahn) das 12 100 Quadratmeter große Areal abgekauft. Ursprünglich wollte das Vorstandsmitglied des Sportvereins Kicker eben jene Soccer-Halle bauen. Daraus wurde nichts – nach Salamones Worten lag die Schuld bei der Stadt. Doch die Schuldzuweisungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Einen Teil des erworbenen Areals (1300 Quadratmeter) brach er heraus und verkaufte das Gelände an den Betreiber einer Waschanlage. Das Gros des Grundstücks aber, 10 700 Quadratmeter, und damit das alte Zollhaus, befindet sich noch immer in seinem Besitz. Totes Kapital – aber der Geschäftsmann ist guter Hoffnung: "Es laufen Verhandlungen", sagt Salamone. Noch nichts Konkretes, nur so viel: Die Stadt Pforzheim habe auch schon angefragt. Eile habe er keine. "Es handelt sich um kein städtisches Gebäude", sagt Gerhard Biehmelt, Chef des Gebäudemanagement – "wir kommen erst ins Boot, wenn ein Objekt gekauft wurde."