Pforzheim. Leicht hat sich der Vorstand des Jugendfilmrings (Jufi) seine Entscheidung nicht gemacht. Denn am Mittwoch endete mit dem Film "Mission Impossible 4" eine Ära für Schüler im Rex-Filmpalast.

Dietrich Bode und Jörg Rieger, erster und zweiter Vorsitzender des Jufi, blickten dem Ende mit einem lachenden und weinenden Auge entgegen. 57 Jahre lang war der Jufi mit seinen regelmäßigen Kinoveranstaltungen ein beliebter Treffpunkt. "In all‘ den Jahren wurden exakt 543 Filme gezeigt", sagt Jörg Rieger. Dietrich Bode, fast von Beginn an beim Jufi dabei, denkt gerne an die Zeit zurück, als das Jugendkino die einzige und vor allem finanzierbare Freizeitveranstaltung für Jugendliche war.

Wo nun die Buchhandlung Thalia zu finden ist, war Ende der 50er-Jahre ein mit mehr als 1000 Jugendlichen gefülltes Universum-Kino keine Seltenheit. "An einem Abend mussten wir sogar das Kassenhäuschen verschieben, damit die Besucher Platz zum Anstehen hatten. Der Andrang war damals auch so groß, dass die Schaufensterscheibe des benachbarten Schuhgeschäfts eingedrückt wurde", sagte Bode. Außerdem seien Kussszenen eine Sensation gewesen. "Sie wurden damals sogar mit Beifall bejubelt." Im Gegensatz dazu habe bei spannenden Szenen eine Totenstille geherrscht. "Lohn der Angst" habe der Film geheißen, der den Jugendlichen offene Münder ins Gesicht gezaubert hätte. Mit zunehmend breiterem Freizeitangebot konnte man an diese imposanten Zahlen in den letzten Jahren nicht mehr anknüpfen. Dennoch waren es rund 200 Jugendliche pro Vorstellung, die sich auf die Filmauswahl verlassen hatten. Martin Erlenmaier, ehemaliger Schüler am Hebel-Gymnasium und eingefleischter Filmkenner, war jahrelang für die Zusammenstellung der Streifen verantwortlich. "Er ist quasi in ein Kino implantiert – und kennt jeden Film", lacht Rieger. Auch die Grundidee, mit den Filmen zur Diskussion anzuregen und nicht nur "Popcorn-Kino" zu erzeugen, wurde nie außer Acht gelassen.

Durch den attraktiven Paketpreis für vier Filme konnte der Jufi seinen Platz im deutlich breiteren Freizeitangebot der Jugendlichen bislang noch verteidigen. Dass dies aber zunehmend schwieriger wird, wurde den Machern des Jufi mit der letzten Spielreihe und einem deutlichen Besucherrückgang klar.

Rieger führt nicht nur das geänderte Medien-Konsumverhalten der Jugendlichen an, sondern lässt auch das verkürzte Gymnasium mit deutlich erhöhtem Stressfaktor nicht unerwähnt. "Das G8 bricht uns quasi das Kreuz", sagt er. Rein wirtschaftlich sei es Irrsinn, den Jufi in bestehender Form weiterleben zu lassen. Zudem hätten dieses Jahr gleich zwei komplette Schülerjahrgänge und potenzielle Jufi-Besucher die Schule verlassen. Dazu komme eine zum Jahreswechsel ansteigende Miete im Rex Filmpalast.

"Der Jufi wird aller Voraussicht nach im Frühjahr in veränderter Form zurückkehren", bemerkt Rieger stolz. Das Kommunale Kino sei daran interessiert, mit dem Jugendfilmring zu kooperieren. Derzeit sei der Vorstand auch im Gespräch mit dem Stadtjugendring, der den Jufi als selbstständige Institution beinhalte.