
Enzkreis/Pforzheim. Starre Hindernisse auf einer Mittelinsel eines Kreisverkehrs können für Autofahrer selbst dann gefährlich werden, wenn kaum vorstellbar ist, dass ein Fahrzeug dagegen prallen könnte.
Diese Lehre hat das Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg aus einem schweren Unfall gezogen, der 2009 im Regierungsbezirk Freiburg passiert war. Ende 2011 wurde das in einen Erlass gegossen, der viele Kreisverkehre auf den Prüfstand stellt. Wie genau das ablaufen soll, ist im Enzkreis noch offen.
Der genaue Erlass liegt dort nämlich noch nicht vor. Kreisverkehrsamtsleiter Oliver Müller rechnet damit, die Details der neuen Regelung vom Regierungspräsidium "im Laufe der nächsten Tage" zu erhalten. Dann erst, so Müller, könne man die Kreisel der Region auf mögliche Gefahren hin untersuchen.
Hans-Ulrich Rülke, Landtagsfraktionsvorsitzender der FDP, hat jetzt beim Verkehrsministerium nachgehakt, welche Folgen der Erlass zur Gestaltung der Kreisverkehre beispielsweise für den Enzkreis haben könnte. Vor allem wollte er wissen, wer denn bezahle, wenn ein Kreisel nach den neuen Vorgaben umgebaut werden müsse. Die Antwort von Verkehrsminister Winfried Hermann darauf ist deutlich: "Eine finanzielle Unterstützung durch das Land für die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit der betroffenen Kreisverkehrsplätze ist nicht vorgesehen." Das heißt: Es bezahlt derjenige, der ohnehin die Straßenbaulast trägt. In vielen Fällen wäre das der Enzkreis.
In dieser Hinsicht herrscht im Landratsamt aber Gelassenheit. Den Grundsatz Sicherheit vor Gestaltung habe man im Enzkreis ohnehin beherzigt. Schließlich sind die Kreisel ein beliebtes Mittel, um unfallträchtige Stellen zu entschärfen. Dass Kreisverkehre selbst durch häufigere Schäden auffielen, sei die ganz große Ausnahme.
Müller fällt nur der Ötisheimer Kreisel an der Landesstraße 1132 ein, den auch das Land als einziges konkretes Beispiel für die Region aufzählt. Dort stehen Weinreben auf der Mittelinsel und ein weinbergtypisches Mäuerchen. Vereinzelt seien Fahrzeuge schon dagegen gefahren, argumentiert das Land. Seit 2007 seien insgesamt fünf Verkehrsteilnehmer auf die Mittelinsel geraten.
Nicht immer liege das Risiko in der Gestaltung begründet, sagt Müller. Das Beispiel dafür ist Illingen, wo es immer mal wieder krache. Dort aber geht es um einen völlig unbebauten Mini-Kreisel mitten im Ort. Ursache für Unfälle dort, so Müller, sei schlicht der starke Verkehr.
Weitere Fragen Rülkes zu Kostenschätzungen oder zur Zahl der möglicherweise betroffenen Punkte im Enzkreis klammert das Verkehrsministerium aus. Dafür fehlen schlicht noch die Fakten. "Sicherheitsaudits" bei bestehenden Kreiseln fordert das Land. Wie die aber konkret ablaufen sollen, sei noch nicht bekannt, sagt Müller. Er geht davon aus, dass der Enzkreis die Überprüfungen als Straßenverkehrsbehörde selbst vornimmt – möglicherweise mit der Polizei.