Pforzheim Arbeitsplatz-Exodus aus der Goldstadt
Schwarzwälder-Bote, 10.08.2012 08:30 Uhr
Der Abzug von Würth aus Pforzheim ist nur der Anfang des Job-Sterbens: Von 2014 an wird Thales rund 430 Arbeitsplätze nach Ditzingen verlagern.Foto: Schwarzwälder-Bote
Pforzheim. Würth Elektronik mit Hauptsitz in Niedernhall bei Künzelsau bricht Ende des Monats die Unternehmenszelte in der Goldstadt ab. "Das Geschäftsmodell Produktion und Verkauf von veredelten Leiterplatten war in Pforzheim nicht ertragreich", machte Pressesprecherin Yasmin Schwenke deutlich. Mit einer schriftlichen Erklärung ging das Unternehmen jetzt an die Öffentlichkeit. Demnach endete das Geschäftsjahr 2011 mit einem Umsatzeinbruch von 18,3 Prozent. Tendenz für dieses Jahr: weiter negativ.
Für den Pforzheimer IG-Metall-Chef Martin Kunzmann ist es "enttäuschend und bedauerlich". Für die Beschäftigten ist es ein Schock und ein herber Einschnitt. Immerhin kann Würth nach Angaben der Pressesprecherin knapp die Hälfte der 29 Beschäftigten an den Standorten Schopfheim (Südschwarzwald) und Öhringen (25 Kilometer östlich von Heilbronn) unterbringen. Für die restlichen Betroffenen gebe es eine soziale Abfederung. IG-Metall-Geschäftsführer Kunzmann konnte unlängst in Verhandlungen mit der Geschäftsleitung einen ursprünglich bis 30. Juni 2012 laufenden Sozialplan verlängern. Allerdings meinte er: "Kein Sozialplan ist gut. Denn die Menschen werden arbeitslos".
Nachdem der US-amerikanische Investor von Resistoflex die Segel am Standort Pforzheim gestrichen hat und nun auch Würth abwandert, seien das "weitere rund 80 Jobs, die der Stadt fehlen werden", bedauerte Kunzmann. Und der Arbeitsplatz-Exodus geht weiter. Richtig hart kommt es ab 2014. Dann wird die deutsche Tochter des französischen Technologiekonzerns Thales ihren Standort an der Ostendstraße schließen und in die Nähe von Stuttgart, nach Ditzingen, verlagern. Die Rede ist von 430 Arbeitsplätzen. "Und da geht's um qualifizierte und zukunftsweisende Tätigkeiten, die wir verlieren", machte der IG-Metaller deutlich. Ebenso bitter: "Mit dem Abzug von Thales fallen mehr als 20 Ausbildungsplätze weg", sagte Kunzmann. Thales-Deutschland-Chef Peter Obermark nannte unlängst dieses Argument für den Komplettabzug aus der Goldstadt: "Wir sparen damit rund 33 Millionen Euro ein".
Bei Würth ging es indes nicht um Einsparungen, sondern um massive finanzielle Einbrüche. Zur Erinnerung: Bereits im Jahr 2009 wurde die Leiterplattenproduktion von Würth Elektronik in dem firmeneigenen Gebäude an der Östlichen 132 eingestellt und verlagert. Grund: Die Herstellung war zu teuer. Anstelle der Leiterplatten-Produktion etablierte das Unternehmen unter dem Namen "Würth Elektronik FLATcomp Systems" die Veredelung von Leiterplatten und so genannte Polymerdruck-Technologie. Doch bereits 2010 wurde laut Pressemitteilung "ein erheblich negatives Betriebsergebnis" eingefahren. Einer der Gründe: Das Gebäude war zu groß. Demnach sei die betriebliche Infrastruktur zu "überdimensioniert und kostenintensiv". Die Konsequenz folgt nun: völlige Schließung zum 31. August.
Was wird aus dem Gebäude? Dazu heißt es bei Würth: "Optionen für eine zukünftige Nutzung des Produktionsgebäudes in Pforzheim sowie eine mögliche Veräußerung an neue Eigentümer werden derzeit geprüft."
Würth Elektronik ist eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Niedernhall. Sie beschäftigt weltweit 6200 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 699 Millionen Euro. Mit global 16 Produktionsstandorten gehört Würth Elektronik zu den erfolgreichsten Gesellschaften der Würth-Gruppe. Würth Elektronik Intelligent Connecting Systems bietet zusammen mit dem Pforzheimer Tochterunternehmen Würth Elektronik FLATcomp Systems leiterplattenbasierte Systemlösungen für Stromverteiler, Anzeige- und Bedienfelder, elektronische Steuerungen sowie gedruckte Elektronik und Sensoren an.



