
Von Doris Sannert
Pfalzgrafenweiler. Sie kennt alle 960 Schüler und die Lehrer am Schulzentrum in Pfalzgrafenweiler, und alle kennen sie. Denn der Schreibtisch von Bettina Krzyzanowski-Noe im Schulsekretariat ist zentrale Anlaufstelle für alle.Um 6.30 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. "Wir sind im Landkreis Freudenstadt die Schule mit dem frühesten Schulbeginn", weiß sie. Um 7.15 Uhr schrillt die Schulglocke zum ersten Mal. Bis acht Uhr klingelt das Telefon meist ununterbrochen. Eltern rufen an, um ihre Kinder zu entschuldigen. Bettina Krzyzanowski-Noe trägt alle Krankmeldungen in eine Liste ein und hängt sie für alle Lehrer gut sichtbar aus. Auf die Erstklässler richtet sie dabei ein besonderes Augenmerk. Doch nicht nur Schüler, auch Lehrer sind ab und an krank. Dann muss von den beiden Konrektoren der Grund-, Haupt- und Werkrealschule und von der Realschule ein Vertretungsplan erstellt und ab und an auch mal improvisiert werden.
Ist der Unterricht dann endlich am Laufen, macht sich die Schulsekretärin an ihre übrigen Arbeiten. Dann müssen Listen für den Sport- und Religionsunterricht geschrieben werden, das Schulverwaltungsprogramm, das Stundenplanprogramm und die amtliche Schulstatistik müssen geführt und auf Vordermann gebracht werden. Einladungen für Elternbeiratssitzungen, für Gesamtlehrer- oder Schulkonferenz müssen geschrieben und verschickt werden. Termine von Elternabenden beider Schulen gilt es zu koordinieren, und für Aufführungen und Schulprojekte müssen Termine und Raumbelegung abgesprochen werden. Und schließlich führt auch die Koordination für den "Tag der offenen Tür" über ihren Schreibtisch.
Zwischendurch rufen Eltern an, die ihr Kind zu einem Arzttermin abholen wollen. Schüler, denen es nicht gut geht und die abgeholt werden wollen, klopfen ebenso an ihre Tür wie diejenigen, die sich verletzt haben und nun ein Pflaster brauchen. "Ich bin die zentrale Anlaufstelle für jeden", erklärt Bettina Krzyzanowski-Noe und meint damit neben Schülern, Rektoren, Lehrern und Eltern auch das Schulamt und die Gemeindeverwaltung. Doch was ist, wenn die Schulsekretärin einmal krank wird? Dann ist guter Rat teuer. Wenn dann nicht gerade ein Auszubildender aus dem Rathaus im Schulsekretariat sitzt, müssen Lehrer oder Rektoren ans Telefon. Denn trotz der 960 Schüler – eine zweite Kraft gibt es am Schulzentrum in Pfalzgrafenweiler nicht.
Und dann ist da noch das "Beschwerdemanagement". Wer würde sich dafür besser eignen als die Schulsekretärin? Für Schüler und Lehrer ist sie gleichermaßen eine neutrale Anlaufstelle, um bei Ärger Dampf abzulassen oder um Sorgen und Nöte loszuwerden. Und so sieht sich Bettina Krzyzanowski-Noe als Vermittlerin zwischen allen Positionen und Hierarchien.
Seit zehn Jahren füllt die gebürtige Stuttgarterin, die heute mit ihrem Mann in Waldachtal lebt, Tag für Tag die verschiedenen Funktionen aus. Dass sie heute am Schreibtisch eines Schulsekretariats sitzt, war keinesfalls so geplant, denn Bettina Krzyzanowski-Noe ist Chemisch-Technische Assistentin von Beruf. "Ich wollte nicht immer nur im Labor stehen, sondern wollte auch noch etwas anderes machen."
2001 bewarb sie sich ganz spontan auf die Stellenausschreibung in Pfalzgrafenweiler. "Ich habe mir die Schule angeschaut, und sie hat mir gefallen", erinnert sich die Schulsekretärin an ihre ersten Eindrücke und bilanziert: "Ich habe die Entscheidung keinen Tag bereut."
Wenn ihr Arbeitstag außer freitags um 16.30 Uhr endet, dann ist die To-do-Liste für den nächsten Tag fertig. Meist liegt sie am anderen Tag aber schon nach kurzer Zeit im Papierkorb. Denn jeder Tag im Schulsekretariat verläuft anders – kaum einer ist planbar. Aber vielleicht ist es gerade das, was für Bettina Krzyzanowski-Noe die Arbeit so interessant macht.
Bettina Krzyzanowski-Noe kann aber nicht nur mit Menschen gut umgehen. Auch wenn mal wieder ein Drucker streikt oder ein Kopierer nicht funktioniert, weiß sie Rat oder legt selbst Hand an. Angst vor Maschinen hat sie keine – im Gegenteil. "Mich begeistert alles, was technisch ist." Vermutlich ist das ein Überbleibsel ihres früheren Berufs. Und so wundert es auch keinen, wenn die Frau mit dem blonden Bubikopf nach Schulschluss auf ihr Motorrad steigt und gen Waldachtal davon braust.
Die serie: In unserer Serie "Schreibtischgeschichten" besuchen wir Menschen aus Pfalzgrafenweiler und Umgebung an ihrem Arbeitsplatz. Tipps und Anregungen können gerne an die Redaktion Freudenstadt, Martin-Luther-Straße 5, 72250 Freudenstadt des Schwarzwälder Boten gesendet werden, oder per E-Mail an redaktionfreudenstadt@schwarzwaelder-bote.de.