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Parawissenschaften „Ein Studium schützt nicht vor Irrsinn“

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Das Übernatürliche zieht die Menschen an – so wie hier im UFO-Museum im amerikanischen Roswell. Dabei stecken hinter parawissenschaftlichen Phänomen oft einfache Erklärungen, sagen Skeptiker. Foto: dpa

Mit Logik gegen Licht als Nahrungsmittel oder hellseherischen Fähigkeiten: Die Biologin Julia Offe ist Mitglied der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Diese verleiht am Freitag einen Preis für pseudowissenschaftlichen Unfug.

Frau Offe, was machen Sie am 21. Dezember?
An dem Tag, an dem angeblich die Welt untergehen soll, meinen Sie? Na, wahrscheinlich Weihnachtsgeschenke einkaufen.

Sie lassen sich also nicht von Herrn Broers und seiner Weltuntergangstheorie verrückt machen. Dabei ist der Finalist des diesjährigen Wettbewerbs doch Biophysiker, also ein studierter Naturwissenschaftler.
Nun schützt aber ein Studium leider nicht vor Irrsinn, wie man an Dieter Broers merkt. Nein, ich glaube nicht an Weltuntergangstheorien.


Aber hatten Sie nicht mal das Gefühl, das etwas nicht mit rechten Dingen zugeht? Beispielsweise dass Sie an jemanden denken und in dem Moment ruft dieser jemand an?
Tatsächlich hatte ich schon sehr lange nicht mehr das Gefühl. Früher, als Teenager, da dachte ich öfter, dass das passiert. Aber das hat mit der selektiven Wahrnehmung zu tun. Denn wie oft denkt man an jemanden, und das Telefon klingelt nicht. Oder wie oft denkt man an jemanden nicht, und er ruft auch nicht an? Solche Erklärungen, dass das an der eigenen Wahrnehmung liegt, begegnen einem oft, wenn man versucht, sich objektiv mit scheinbar mysteriösen Phänomenen zu beschäftigen.

Aber warum finden Astrologen, Wahrsager oder Wunderheiler dennoch so viel Zuspruch in der Gesellschaft?
Unsere Welt ist sehr komplex geworden, unsere Lebenswege sind nicht mehr einfach und vorgezeichnet. Vielleicht finden sie in den einfachen Antworten und dem Gefühl, dass Dinge vorherbestimmt sind, gewissen Halt. Ein Stück weit entlässt einen das aus der Verantwortung für das eigene Leben.

Nicht alles in der parawissenschaftlichen Szene ist so offensichtlich abstrus, wie der Gewinner des Goldenen Bretts 2011, der einen unkritischen Dokumentarfilm darüber drehte, dass man sich von Licht ernähren kann. Gibt es auch Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben?
Ja, sicher. Man denke nur, an den riesigen Markt der durch die Esoterik und auch Homöopathie geschaffen wurde. Harald Walach, der zweite Finalist im diesjährigen Wettbewerb ist da ein gutes Beispiel. Er ist Stiftungsprofessor für Komplementärmedizin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt und hat es so geschafft, esoterischem Humbug einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Das überschreitet einfach Grenzen. Zum Glück hat die Brandenburgische Hochschulstrukturkommission Viadrina die Schließung von Walachs Institut empfohlen. Ein andere bedenkliche Entwicklung ist, wie unkritisch die Homöopathie in einem Pharmazie-Studium an deutschen Universitäten gelehrt wird.

Die Homöopathie scheint Skeptikern ein Dorn im Auge zu sein: So wurde neben Walach auch die Österreichische Ärztekammer, die die Homöopathie unterstützt, zum dritten Finalisten gewählt. Doch was ist aus Ihrer Sicht so falsch an Akupunktur und Globuli?
Bei der Akupunktur gibt es durchaus wissenschaftliche Belege dafür, dass diese Methode beispielsweise bei Rückenschmerzen hilft. Nicht belegt ist, dass man dazu an bestimmten Stellen stechen muss. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass durch den Körper Lebensenergie, das sogenannte Chi, fließt. Viele dieser Therapieformen beruhen auf dem Placebo-Effekt: Patienten, die beispielsweise ein Scheinmedikament gegen Schmerzen eingenommen haben und an dessen vermeintliche Wirkung glauben, haben auch weniger Schmerzen. Einfach, weil der Glaube daran, die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt – das ist keine Einbildung, sondern ein wissenschaftlich messbarer Effekt. Dazu brauche ich aber keinen esoterischen Überbau.

Mit dem Wettbewerb möchten die Skeptiker zur Information und Aufklärung über Pseudowissenschaft und Scharlatanerie beitragen. Reicht dazu aber eine solche Veranstaltung wirklich aus?
Nein. Natürlich braucht es mehr, beispielsweise wissenschaftliche Instanzen, die auf solche Entwicklungen und Verbreitungen von Pseudowissenschaften viel stärker ein Auge haben. Und ich persönlich wünsche mir, dass die Wissenschaft an sich nicht immer so als engstirnig wahrgenommen wird. Es heißt oft, wir Wissenschaftler hätten immer eine Antwort auf alles. Das stimmt so nicht: Denn je länger man forscht, umso mehr Fragen ergeben sich, dadurch erneuert und überprüft sich die Wissenschaft stets selbst. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die heute als gesichert gelten, gelten in 20 Jahren vielleicht nicht mehr.

Gibt es ein Phänomen, was für Sie heuteunerklärlich ist?
Für mich ist das Leben an sich etwas sehr Faszinierendes. Ob es eines Tages gelingen wird, aus unbelebter Materie Lebewesen zu schaffen? Das würde ich gerne wissen.

 
 

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