
Ostelsheim - Die Schließung des einzigen Lebensmittelladens in Ostelsheim (wir berichteten) erregt zur Zeit die Gemüter in der Gäugemeinde. Auch Bürgermeister Jürgen Fuchs kommt in dieser Angelegenheit nicht zur Ruhe.
Eine gute Lösung des Nahversorgungsproblems liegt dem Schultes am Herzen. Unablässig hat er in den vergangenen Wochen alles in Bewegung gesetzt, um für seine Gemeinde auch weiterhin die Nahversorgung mit Lebensmitteln aufrecht zu erhalten.
Mit der Angelegenheit befasste sich jetzt auch der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Freitagabend. Der Rathauschef berichtete von zahlreichen Bemühungen, um eine Ladenkette oder auch einen selbstständigen Kauf- mann zu finden, die in dem 250 Quadratmeter großen Geschäft weiter machen könnten. Die Verbrauchergenossenschaft Calw e.G. will den Laden zum Jahresende schließen.
Fuchs hat zahlreiche Ketten wie Penny, Netto, Alnatura, Treff 3000 oder CAP-Markt angeschrieben, Gespräche geführt und ist dabei auf wenig Resonanz gestoßen. "Edeka hat sogar ein Gutachten erstellt, mit dem Ergebnis, dass Ostelsheim beim derzeitigen Einkaufsverhalten seiner Bürger keine Chancen hat auf einen erfolgreich geführten Laden.
Fast alle kontaktierten Firmen reagierten bisher ablehnend, da sie 7000 bis 10 000 Einwohner voraussetzen für die Eröffnung einer Filiale. "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis oder lasse ein Gutachten erstellen, nach diesem Motto handelten Politiker oft", so Fuchs. Doch davon hält er nichts. Handeln sei gefragt, doch leider sei das Zeitfenster schon recht klein.
Deshalb wurden im Gremium Lösungsversuche angesprochen, die unter Umständen etwas bringen könnten. Als eine Möglichkeit wurde gesehen, dass die Gemeinde versucht, die Ladenfläche zu erwerben, um vielleicht einen Interessenten mit günstiger Miete anlocken zu können.
Gemeinderat Wilhelm Koch regte an, dem Metzger, der schon bisher eine Verkaufsstelle in dem Geschäft hat, dazu zu animieren, dass er sein Sortiment mit gängigen Lebensmitteln erweitert.
Fuchs berichtete von einem funktionierenden genossenschaftlichem Modell im Raum Sinsheim.
Dort sind sieben Mitarbeiterinnen auf 400-Euro-Basis angestellt. Sie kommen auf einen Stundenlohn von neun Euro. Der Laden erziele jährlich einen Umsatz von 250 000 Euro davon entfallen allerdings 45 Prozent auf Backwaren. "Aber einen Bäcker haben wir ja", stellte der Schultes fest.
Eine genossenschaftliche Lösung sei auch deshalb schwierig, weil solche Einrichtungen jährlich geprüft würden, dies 3500 Euro koste und man außerdem einen Steuerberater benötige. Bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gab Fuchs zu bedenken, dass die Mitglieder für einen eventuellen Abmangel aufkommen müssten. Bei einem kleineren Laden sei allerdings das Risiko geringer.
Der Bürgermeister appellierte an alle, ihm eventuelle Interessenten für die Fortführung des Ladengeschäftes umgehend mitzuteilen. Noch geben Fuchs und auch seine Gemeinderäte nicht auf. Denn immerhin sind zwei mögliche Einsteiger dabei, die Situation auf Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Wenn alle Stränge reißen, wäre ein "rollender Laden" bereit, Ostelsheim anzufahren.