Ostelsheim Backen wie zu Omas Zeiten
Schwarzwälder-Bote, 26.04.2012 04:30 Uhr
Während Margarete Lehnert einen Kuchen in den Backofen schob, schauten Angelika Kleinert, Dietmar Seibold, Andreas Moser und Barbara Stoklosinski (von links) interessiert zu. Foto: BauschFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Bettina Bausch
Ostelsheim. In Ostelsheim werden Traditionen geschätzt und hochgehalten. Dies zeigte sich am Backhaus der Gemeinde. Margarete Lehnert, die Verwalterin des Gebäudes, hatte zu einer Einweisung eingeladen. 25 Personen verfolgten gespannt ihre Erklärungen.
Die erfahrene 63-jährige Backhausbenutzerin gab den Besuchern jeden Alters ihre Erfahrungen mit und demonstrierte zunächst das fachgerechte Anheizen des gemeindeeigenen Backofens. Dafür wurden drei Büschel Reisig von Obstbäumen verwendet. "Das Holz muss gut abgelagert sein, im ersten Jahr nach dem Schnitt kann man es noch nicht verwenden", informierte Lehnert.
Als nach etwa einer Stunde der Ofen heiß genug war, wurde die Asche entfernt. Die Besucher des Infovormittags erlebten, wie ihre mitgebrachten Brote, Pizzen sowie Kartoffel-und Zwiebelkuchen mit einem langen Holzschieber in den Ofen bugsiert wurden. Bald duftete es rund um das Backhaus ganz verführerisch nach dem frischem Gebäck.
"Im großen Ofen des Backhauses werden traditionsgemäß vor allem salziger oder auch süßer Hefeteig verarbeitet", erläuterten erfahrene Backhausnutzerinnen. "Ich backe noch so wie meine Oma es gemacht hat", berichte die 1948 in Ostelsheim geborene Barbara Stoklosinski. Als zehn- bis zwölfjähriges Mädchen sei sie oft mit ihrer Oma ins Backhaus gegangen und habe sich dabei manches abgeguckt. Damals habe man Brot in größeren Mengen hergestellt, das sich dann bei richtiger Lagerung sehr lange gehalten habe. Zur Backofeneinweisung hatte sie einen Kartoffel- und einen Zwiebelkuchen mitgebracht. "Die Kartoffeln habe ich gestern gekocht und heute morgen kalt durchgepresst. Zur Kartoffelmasse kamen dann noch Milch, Salz und Pfeffer. Zum Zwiebelkuchen hat sie neben Zwiebeln, Kartoffeln, Mehl, Sauerrahm und Schmand auch zwei Eier verwendet".
"Im Backofen zu Hause braucht ein solcher Kuchen eine Stunde, hier im Backhaus ist er schon nach zehn bis 15 Minuten fertig", berichtete sie weiter. Sie erinnerte sich auch noch gut daran, wie man früher zu solchem Kuchen nicht Wein, sondern selbst gepressten Most getrunken habe. Auch das Weihnachtsgebäck sei im Gemeindebackhaus verarbeitet worden.
"Ich bin heute hierher gekommen, um dazuzulernen" , sagte Andreas Moser. Der 42-jährige Betriebswirt ist Hobbykoch und bäckt auch gerne. "Ich finde es schön, dass diese alte Backtradition erhalten bleibt und an die junge Generation weitergegeben wird", unterstrich Dietmar Seibold, der ebenfalls das Treiben im Backhaus sehr interessiert verfolgt hatte.
Am Rande des Geschehens kam es zu lebhaftem Gedankenaustausch über Backerfolge und viele gute, gelingsichere Rezepte.
Nach getaner Arbeit blieben manche Teilnehmer noch etwas zusammen und kosteten nach getaner Arbeit ihre vielseitigen leckeren Backergebnisse.



