
Von Bettina Bausch
Ostelsheim/Weil der Stadt. "Wer rastet, der rostet", lautet ein bekanntes Sprichwort. Doch dass dies auch für herzkranke Menschen gilt, müssen die Betroffenen oft erst lernen.
Das Herz ist im Wesentlichen ein großer Muskel, der durch dosiertes Training auch bei Herzpatienten gestärkt werden kann. Davon ist der Ostelsheimer Arzt für Allgemeinmedizin, Joachim Liebendörfer, seit langem überzeugt. Deshalb hat er sich schon vor rund 24 Jahren entschlossen, ehrenamtlich mitzumachen, als im benachbarten Weil der Stadt eine Herzsportgruppe gegründet wurde.
Der engagierte Mediziner wurde Gründungsmitglied und sah bei seinem Einsatz für Herzkranke die Möglichkeit, durch Sport herzkranke auch Menschen aus Simmozheim, Ostelsheim und anderen umliegenden Gäugemeinden zu fördern.
Liebendörfer, selbst ein passionierter und erfolgreicher Langstreckenläufer, ist heute mit einer Kollegin sowie einer für Rehasport speziell ausgebildeten Übungsleiterin zum wöchentlichen Training gekommen, an dem rund 40 Personen teilnehmen. Nach einer Lockerungs- und Aufwärmphase werden die Übungen etwas anstrengender. Der Arzt beteiligt sich selbst auch am Sport, soweit dies möglich ist. Immer wieder misst er den Blutdruck und Puls einzelner Teilnehmer.
Der Sport von Herzpatienten muss nämlich fein dosiert erfolgen und laufend überwacht werden. Für den Fall, dass doch einmal eine Komplikation auftreten sollte, sind die betreuenden Ärzte bestens gerüstet. Sie haben einen Notfallkoffer mitgebracht, und auch ein EKG-Gerät sowie ein Defibrilliator stehen in der Sporthalle bereit.
"In der Herzsportgruppe lernen die Teilnehmer die Möglichkeiten sowie Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit kennen und stärken ihr Herz", erläutert der Arzt. Dazu verhelfen bei den wöchentlichen Treffen neben der sportlichen Betätigung auch Entspannungsübungen, Gruppengespräche und Ernährungsberatung.
Die Teilnehmer der Gruppe leiden an einer coronaren Herzerkrankung, haben einen oder mehrere Herzinfarkte oder eine Bypassoperation hinter sich. Sie spüren, dass ihnen der Sport gut tut. "Ich blicke wieder hoffnungsvoller in die Zukunft, seit ich hier mitmache", sagt ein älterer Herr nach dem kurzweiligen Sportabend, und andere Teilnehmer pflichten ihm sofort bei. In dieser Gemeinschaft finden sie Menschen, die sich in derselben Lage befinden wie sie selbst und können sich über ihre Erfahrungen austauschen.
Sie wissen, dass es bei ihrer regelmäßigen sportlichen Betätigung nicht darum geht, Höchstleistungen zu erreichen, sondern die oft in einer Rehaklinik erlernte Bewegungstherapie fortzusetzen, denn ein trainiertes Herz ist widerstandsfähiger gegen Infarkt, Rhythmusstörungen und andere Erkrankungen.