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Olympia-Bewerbung Die Alpen-Rebellen

Gunter Barner aus Garmisch-Partenkirchen, vom 04.09.2010 06:01 Uhr
  Foto: ddp
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Garmisch-Partenkirchen - Erst hatten sie die Olympischen Sommerspiele (1972), jetzt wollen die Münchner gern noch die Winterspiele 2018. Dafür brauchen sie die Skipisten in Garmisch - und die Wiesen der dortigen Bauern. Aber genau da liegt das Problem.

Eigentlich sitzt Josef Glatz (50) bei seiner Brotzeit. Aber das hier ist ihm dann doch zu wichtig. "Irgendwann", knarzt er und schiebt den Teller beiseite, "schlog i z'ruck". Er hat sich viel anhören müssen, seit er sich dem Widerstand gegen das Olympia-Projekt angeschlossen hat. Sie haben ihm gesagt, dass er eine Jahrhundertchance gefährde, die Garmisch-Partenkirchen in die First Class der Wintersportzentren katapultiere. Dass er ein Ewiggestriger sei, der in die Steinzeit gehöre. Nun schreiben die Zeitungen vom Bauernaufstand in den Alpen. Und er ist so was wie der Thomas Müntzer von Garmisch, ein Alpen-Rebell. "So ein Schmarr'n", sagt Glatz, "die Leit hier sind doch net blöd, die woll'n nur mitreda, dös is des Problem."

Die in München hätten halt so furchtbar gern die Olympischen Winterspiele 2018. Die Chancen gegen Annecy (Frankreich) und gegen Pyeongchang (Südkorea) zu bestehen, sind gar nicht so schlecht. Weil sie in München aber nur ein paar Katzenbuckel haben, sollen die Alpinen auf der Kandahar-Strecke und am Gudiberg um die Medaillen fahren. Das ist nur 70 Kilometer von München entfernt, was sich gut macht in der Bewerbung. An und für sich ist das auch keine schlechte Idee. Aber manche Leut' in Garmisch und in Partenkirchen sagen: Sie hätten uns vorher halt fragen sollen.

Vielleicht schaut die 26.000-Einwohner-Markt nahe der Zugspitze deshalb so aufmerksam auf Stuttgart 21. Weil sich hier wie dort der Ärger darüber Bahn bricht, dass ein gigantisches Projekt, das sündhaft teuer ist und über Jahre tief in den Alltag der Menschen eingreift, scheinbar rücksichtslos durchgezogen wird. Ob berechtigt oder nicht: Der Aufruhr in GAP-City hat seine Wurzeln in der gefühlten Demokratur. Und ungewöhnlich genug frisst er sich kreuz und quer durch alle Parteien.

Jetzt geht es um die dunkelgrünen Saftwiesen rund um den Ort. Schön anzusehen sind sie und mit einem Stadel drauf, in dem die Landmaschinen stehen. Dort sollen in acht Jahren dann 16 000 Autos parken können, ein Media Village und ein Snow Village an der St.-Martins-Straße erst auf- und dann wieder abgebaut werden. Für 100.000 Besucher pro Tag, für Tausende Sportler und Journalisten aus aller Welt.

Die Bauern sollen dafür viele Hektar ihrer Wiesen an die Bewerbungsgesellschaft München 2018 verpachten. Für zwei, bis drei Jahre und für 1,50 Euro pro Quadratmeter - plus Ertragsausfall. Pro Jahr. Das ist mehr als sonst üblich. Die bayerische Staatsregierung verspricht, dass die Wiesen nach den Olympischen Spielen im ursprünglichen Zustand zurückgegeben werden. Dafür wollen die Landespolitiker sogar ein Olympia-Gesetz verabschieden.

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