
Er sagt, dass er die Einwände der störrischen Bauern ernst nimmt, seit Monaten suchen er und seine Berater nach Lösungen. Im zweiten Stock im Rathaus gibt es ein Olympia-Büro, und er hat die Wiesenbesitzer zu einer Versammlung eingeladen. Von 78 Betroffenen sind aber nur zwei gekommen. Er lässt trotzdem keine Zweifel, dass die rückwärts gewandten Dickschädel die Entwicklung nicht aufhalten werden. Es gibt eben auch die, die Olympia in GAP-City wollen. Und das ist nach den bisherigen Meinungsumfragen noch immer die Mehrheit. Die lokale Presse hat, ganz ohne das Zutun des Bürgermeisters, eine Serie gestartet: "Wir sind für Olympia, weil . . ." Und 113 Sportvereine haben sich in einer Resolution für die Winterspiele ausgesprochen. Notfalls, seufzt Schmid, plane man eben um die fehlenden Grundstücke herum. Schließlich habe der Gemeinderat entschieden, an der Seite Münchens ins Rennen um Olympia 2018 zu gehen. "Einstimmig!"
Da passt es wunderbar, dass die von den Nazis für die Olympischen Winterspiele 1936 zwangsvereinigten Teilorte Garmisch und Partenkirchen nächstes Jahr wieder eine Ski-WM ausrichten dürfen. Die ideale Plattform, um die hohen Herren vom IOC zu überzeugen. Bulldozer pflügen deshalb den Gudiberg um, Hubschrauber liefern in waghalsigen Manövern den Beton für die Fundamente eines neuen Sessellifts, weshalb die Wanderer in diesen modernen Zeiten schon mal ihre Hüte festhalten müssen.
Tatsächlich aber verströmt die Markt den Charme einer rüstigen Seniorin. Und die Frage, die in den Cafés und Wirtshäusern fast so häufig diskutiert wird wie im Gemeinderat ist die, was aus GAP einmal werden soll. Ein kuscheliger Ort in den Voralpen, der mit unverbrauchter Landschaft vor allem Sommertouristen lockt? Oder ein mondänes Wintersportmekka, Gastgeber der Olympischen Spiele, mit allen Schikanen?
Für Axel Döring (62) ist das keine Frage. Der Sozialdemokrat ist seit 38 Jahren Förster in Garmisch. In Flora und Fauna kennt er sich aus wie in seiner Westentasche. "Wir haben hier alle Wildarten, die man sich in den Bergen vorstellen kann", sagt er, "und die Vielfalt unserer Pflanzenwelt ist grandios." Er greift nach einem Fotoalbum auf seinem Schreibtisch und blättert los. Ein bisschen macht er dabei ein Gesicht wie ein Staatsanwalt. Für Ski-Abfahrten, Schnee-Lanzen und -Kanonen wurden schon jetzt Teile des Bergmischwalds gerodet. Fichten, Buchen, Tannen, Bergahorn. Auf den Talwiesen wachsen 65 verschiedene Pflanzenarten. Döring will die Wintersportler nicht grundsätzlich vertreiben, "aber es muss auch mal Schluss sein mit den ständigen Eingriffen in die Natur".
In Oberammergau, wo die Biathlon- und Langlauf-Wettbewerbe stattfinden sollten, haben sie sich in einem Bürgerentscheid für die Natur und gegen die Spiele entschieden. Ein Bürgerentscheid ist in Garmisch nicht mehr möglich. Die Verträge sind längst unterschrieben. Aber das Schlimmste, schätzt Döring, lässt sich vielleicht noch verhindern. Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten der Grünen, Ludwig Hartmann, führt er die Nolympia-Bewegung an. 3000 Unterschriften haben die beiden schon gesammelt - und sich nicht nur Freunde gemacht. Döring liest aus einem Brief vor, in dem ihm und seiner Familie indirekt sogar mit Mord gedroht wird. Er zuckt ungerührt mit den Achseln. Der Grüngürtel um Garmisch-Partenkirchen sei einfach zu klein für ein solches Abenteuer. Und wenn die Winterspiele trotzdem kommen? "Wir sind keine Guerillas", sagt Döring.
Josef Glatz widmet sich wieder seiner Brotzeit. Vom seinem Haus blickt er rüber zur neuen Olympia-Sprungschanze, die erst vor zwei Jahren eingeweiht wurde. "I möcht net wiss'n, wos die kost' hot", brummt er, "und do hupft nur alle paar Monat mol einer runter." Ganz generell, sagt Josef Glatz, habe er ja nix gegen die Sportler. Aber was auf seinen Wiesen passiert: "Bittschön, das möcht' i scho selbst beschtimma."
Viele Promis geben bei den 65. Internationalen Filmfestspielen eine gute Figur ab - hier die Fotos.
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