Offenburg Wenn Schlaf müde macht

Karl Kovacs, 21.06.2012 11:45 Uhr

Offenburg - Das Zentrum für Schlafmedizin in Offenburg kümmert sich um Krankheiten, die mit dem Schlaf – und dessen Störung – zu tun haben. Der Leiter des Zentrums, Helmut Debes, stellt die Arbeit vor.

Vor allem Menschen, die an zwei Varianten von Schlafkrankheiten leiden, werden in Offenburg behandelt: jene, die tagsüber müde sind und solche, die nachts nicht schlafen können. »Die erste Frage, die wir den Patienten stellen ist, ob sie müde oder schlaflos sind«, sagt Debes.

Wenn die Patienten tagsüber von Müdigkeit geplagt werden, obwohl sie schlafen können, ist lästiges Schnarchen eines der unangenehmen Nebeneffekte. Die Müdigkeit wird bei der sogenannten Schlafapnoe durch Atemstillstände während des Schlafs verursacht. Der Haus- oder HNO-Arzt muss in diesem Fall erst ambulant untersuchen. »Wenn der Patient zu uns geschickt wird, beträgt die Wartezeit etwa sechs Monate. Das liegt daran, dass wir für die gesamte Ortenau nur acht Betten haben. Der Kreis ist unterversorgt«, betont der Mediziner. Bei akuten Fällen müssen sich die Patienten zwei bis vier Wochen gedulden. Debes: »Es kann auch kurzfristig ein Platz frei werden, wenn jemand absagt.«

Im Schlaflabor bleiben die Patienten durchschnittlich zwei Tage lang. Während des Schlafs werden sie von Kameras gefilmt, ihre Werte werden gemessen und die Schlafposition, die Sauerstoffzufuhr, Hirnströme, Augenbewegungen sowie Muskelanspannung gemessen. Auch Bein- und Körperbewegungen werden registriert.

Nach der Auswertung erhalten die Patienten Informationen zu Masken und Geräten, die ihnen dabei helfen sollen, erholsam zu schlafen. Außerdem gibt es regelmäßige Kontrollen, um den Erfolg der Therapie zu überprüfen. Das Wichtigste sei, so Debes, die richtige Maske zu finden. Sie versorgt die Patienten in der Nacht mit ausreichend Atemluft.

Debes empfiehlt zudem die regelmäßigen Treffen der Selbsthilfegruppe in Offenburg: »Dort bekommen Betroffenen viele Informationen zu den Atemgeräten und können sich mit anderen austauschen.«

Die Gefahren der Schlafapnoe sind unter anderem erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, Kreislaufprobleme und eine verminderte Lebensqualität. »Patienten haben zudem ein siebenfach erhöhtes Unfallrisiko«, sagt Debes. ­

Bei Menschen, die dagegen unter Schlaflosigkeit (Insomnie) leiden, verläuft die Behandlung etwas anders.­ Bevor sie im Zentrum in Offenburg schlafen, nehmen sie an einer psychologischen Therapie teil. Nachdem die Daten des Aufenthalts im Schlaflabor ausgewertet wurden, kann die passende weitere Behandlung geplant werden. Dazu zählen unter anderem das Erlernen von Entspannungstechniken, autogenes Training oder eine medikamentöse Therapie.

Etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung haben laut Helmut Debes Schlafprobleme. »Schlaflosigkeit beginnt in der Regel im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Schlafapnoe haben meist 30 bis 50-Jährige.« Die Probleme nähmen im Alter und vor allem bei Übergewicht zu, so der Mediziner.

Weitere Informationen:
www.ortenau-klinikum.de, Telefon 0781/4 72 27 23
Selbsthilfegruppe: Telefon 0781/5 44 72

 
 
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