Offenburg - Ein 22-Jähriger ist wegen Vergewaltigung einer 14-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der Angeklagte hatte erklärt, einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gehabt zu haben.

Verteidiger Peter Sum aus Haslach hatte auf Freispruch plädiert. Das Jugendschöffengericht war an den drei Verhandlungstagen des Prozesses jedoch zu der Überzeugung gekommen, dass es sich um »eine glatte Vergewaltigung« handelte, so der Vorsitzende Richter Holger Fritsch.

Das Gericht folgte dem laut Fritsch »sachgerechten Antrag« der Staatsanwaltschaft, welche die verhängte Freiheitsstrafe gefordert hatte. »Vergewaltigung ist kein Kavaliersdelikt«, sagte der Richter.

Staatsanwalt Martin Seifert hatte außerdem einen Haftbefehl gegen den 22-Jährigen wegen Verdunkelungsgefahr beantragt. Der Haftbefehl wurde vom Gericht außer Vollzug gesetzt. Wenn der 22-Jährige Kontakt zu vier Zeugen aufnimmt, wird der Haftbefehl in Vollzug gesetzt. Der Angeklagte nahm während des Prozesses Kontakt zum Opfer auf und wurde aufgrund früherer Verurteilungen von Richter Fritsch als manipulativ bezeichnet. Nach Einschätzung seines Verteidigers wird der 22-Jährige in Berufung gehen.

Das Jugendschöffengericht hatte keinen Zweifel, dass der Mann im Oktober 2011 die damals 14-Jährige in seinem Auto auf einem Parkplatz im Kinzigtal vergewaltigte. Die beiden trafen sich am Tattag zum ersten Mal in einem Keller. Das Opfer war mit zwei Freundinnen und einem Bekannten unterwegs. Mit diesem stieg sie in das Auto des Angeklagten, um eine CD zu holen.

Nachdem der Bekannte das Auto verließ, fuhr der 22-Jährige mit dem Mädchen auf den Parkplatz. Dort entkleidete er sich und legte sich auf die sich wehrende und weinende 14-Jährige. Um den Geschlechtsverkehr zu erzwingen, schlug er sie.

Die 14-Jährige erstattete einen Tag später Anzeige. Das Jugendschöffengericht werte ihre Aussage vor Gericht, die sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit machte, als glaubhaft. Die Aussage sei in sich stimmig, nachvollziehbar und »eingebettet in eine Vor- und Nachgeschichte«. Ein Motiv für eine Falschaussage war für den Richter und die beiden Schöffen nach ausführlicher Prüfung nicht zu erkennen.

Richter Fritsch wies in der Urteilsbegründung auf die Problematik bei Vergewaltigungsprozessen hin: Es stehe Aussage gegen Aussage. Die Aussage des Opfers sei aber »tragfähig für eine Verurteilung wegen Vergewaltigung«, so der Richter.

Den Hilfsbeweisantrag der Verteidigung, ein Sachverständigengutachten über die Glaubhaftigkeit des Opfers einzuholen, lehnte das Gericht wegen eigener Sachkunde ab.