Von Christine Bohnert-Seidel Schuttern. Die Geschichte des Klosters Schuttern (603 bis 1806) soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Das Kloster wird vom 25. bis 27. April 2013 in Archäologie, Bau- und Kunstgeschichte in den europaweiten historischen Kontext gebracht. Es ist die erste öffentliche wissenschaftliche Tagung dieser Art in der Ortenau. "Der Historische Verein für Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land, und der Historische Verein Schuttern haben beschlossen, in einer großangelegten Kooperation in den kommenden Jahren das ehemalige Kloster aus historischer, musealer und Marketingsicht deutlich weiterzuentwickeln", sagte Thorsten Mietzner, Vorsitzender der Regionalgruppe Geroldsecker Land in Offenburg.

Startschuss für die erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme wird eine Tagung vom 25. bis 27. April in der Sternenberghalle in Friesenheim sein. Es werden 24 Fachleute aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Deutschland erwartet. "Vergleichbares hat es so in der Ortenau noch nicht gegeben", bestätigte Mietzner. Der erste Impuls geht von den Historischen Vereinen in Schuttern sowie der Regionalgruppe Geroldsecker Land aus. Die Organisatorin ist die Historikerin Luisa Galioto, die unter anderem den Klosterführer Schuttern herausgebracht hat. Volkhard Huth, Leiter des Instituts für Personengeschichte Bensheim und Professor an der Technischen Universität Darmstadt sowie der freie Archäologe Niklot Krohn, der Mitarbeiter des thüringischen Landesamts für Denkmalpflege sind ebenfalls mit an Bord.

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"Die Historischen Vereine gingen von der Beobachtung aus, dass das ehemals bedeutende Reichskloster Schuttern in seiner historischen, aber auch touristischen und geschichtlichen Bedeutung für Mittelbaden weit unter seinem Wert gehandelt wird", so Mietzner. Immerhin reihe sich das Kloster in den Kapitularien Ludwig des Frommen als zweites Kloster in der Rangfolge aus dem Jahr 817 hinter dem Kloster Lorsch bei Worms ein. Heute zähle dieses Kloster zum Weltkulturerbe, erläuterte Professor Volkhard Huth.

Leider existiere bis heute kein Kompaktwerk, das umfassend über die Geschichte des Klosters und dessen Auswirkung auf die Ortenau und Europa berichte. Das soll die Tagung ändern. Die Ergebnisse des Treffens sollen zu einem Standardwerk zusammengefasst werden. Schuttern dürfte als "Chiffre für die Geschichte der Ortenau" verstanden werden, hob Professor Volkhard Huth hervor.

Schuttern müsse im europäischen Kontext gesehen werden. Ein Prachtexemplar Schutterner Klostergeschichte, ein Evangeliar, ist heute im Britischen Museum zu sehen. Schutterns Klostergeschichte sei nicht auf die Lokalgeschichte zu reduzieren. Die Bedeutung für die gesamte Region und Europa soll bei der Tagung herausgearbeitet werden.

Mit der Tagung hoffen die Verantwortlichen auf einen Schulterschluss von Land, Kreis, Kirchen und Kommune zur Sicherung der finanziellen Mittel. Derzeit ist der Historiker Niklot Krohn mit der Erstellung eines Masterplans zur "Inwertsetzung" der bedeutenden historischen Stätte beauftragt. Als Startschuss sowie als wissenschaftliche Bestandsaufnahme wird die mehrtägige Veranstaltung vorbereitet.