Von Harald Rudolf Schwanau. Wie geht die Gesellschaft mit ihrer Armee und ihren Soldaten um? Dies war ein Thema, das die Besucher einer Veranstaltung der Jungen Union Lahr beschäftigte – und Sorgen bereitete. "Was bleibt vom Bundeswehreinsatz in Afghanistan?", regte die Junge Union (JU) im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Kreisverbands eine öffentliche Diskussion an. Das Interesse am Samstagabend in Schwanau war allerdings gering.

Nicht nur deswegen waren sich Referenten und Diskussionsteilnehmer einig, dass die gesellschaftliche Akzeptanz der Bundeswehr und ihrer Soldaten ein großes Problem ist. Klaus Roth vermisst die Wertschätzung vor allem der nach einem Auslandseinsatz heimkehrenden Soldaten. "Sind das Fremdkörper im eigenen Land?", fragte er.

Roth, der als Zeitsoldat zwölf Jahre in der Bundeswehr aktiv und in Ex-Jugoslawien im Einsatz war, ist Fallmanager der Deutschen Kriegsopferfürsorge. Soldaten, die durch einen Auslandseinsatz traumatisiert, erkrankt oder alkoholabhängig geworden sind, fallen durch alle sozialen Absicherungen, so Roth. Aus der Bundeswehr wegen Dienstunfähigkeit entlassen, prüft ein Sachbearbeiter ihre Wehrdienstbeschädigung. "Wenn diese nachweisbar ist, erhalten sie finanzielle Unterstützung."

Roth: Beamte sollen sich selbst Bild machen

Roth wies darauf hin, dass ein amputierter Arm einfacher nachzuweisen ist, als das Trauma eines Soldaten, der einen von einer Mine zerfetzten Arm aufzulesen hat. "Solche Erlebnisse können erst drei Jahre später einen Zusammenbruch bewirken."

Roth und der zweite Referent, der Militärpfarrer Marius Merkelbach, regten an, dass Verwaltungsbeamte, die als Sachbearbeiter über die Zukunft der heimkehrenden Soldaten entscheiden, sowie Politiker, die per Mandat die Bundeswehr in Kriegsgebiete entsenden, sich vor Ort ein Bild machen sollten. "Sie könnten mit einer Patrouille fahren oder mal eine Woche eine Schutzweste tragen", regte Merkelbach an.

Der Militärpfarrer berichtete über das deutsche Lager in Kundus, in dem er von Juli bis November 2011 als Seelsorger eingesetzt war. Bei rund 50 Grad Celsius mit Schutzweste, Waffen und Unmengen von Flüssigkeit zu patrouillieren, da bewege man sich an der Kreislaufgrenze. "Selbst das Nachtrinken von bis zu 15 Litern Flüssigkeitsverlust ist anstrengend."

Merkelbach habe in Kundus erfahren, dass die Soldaten ihren Beruf gerne ausüben und die Mehrzahl unbeschädigt nach Hause kommt. In seiner Zeit im deutschen Lager hat der Seelsorger lediglich einen Raketenbeschuss miterlebt. Da das seit rund zehn Jahren in Afghanistan stationierte ausländische Militär mittlerweile patrouilliere und Präsenz zeige, sei die Zahl der Raketenangriffe zurückgegangen. "2008 und 2009 gab es tageweise Beschuss und jede Nacht Alarm", so der Militärpfarrer.

Nach dem geplanten Rückzug aus Afghanistan im Jahr 2014 befürchtet Merkelbach eine Stärkung der Taliban. Dennoch stellte er die Frage, ob diesem Land überhaupt demokratische Strukturen übergestülpt werden könnten. Die Soldaten würden nach einem Abzug jedoch am Sinn ihrer Arbeit zweifeln. "Dann waren die letzten zehn Jahre doch umsonst", sei die Einschätzung der Soldaten.

In dem zunächst als Friedensmandat propagierten Afghanistaneinsatz sind bislang 53 deutsche Soldaten und drei Polizisten, die für die Ausbildung der afghanischen Polizei zuständig sind, getötet worden.

Nach Afghanistan würden weitere Kriegseinsätze der Bundeswehr folgen. Roth forderte die Politik deswegen auf, Stellung zu beziehen. Wenn nun auch für Deutschland gelte, Krieg sei Politik mit anderen Mitteln, müssten die Parteien sich hierzu bekennen.