Oberwolfach Vom Holzherd zum Solarstrom

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Günter Schulz sprach auf dem Energietag zum Thema "Windkraft und Natur im Einklang? Foto: Dorn

Was den Kirnbachern ihre Sommeruni, ist den Oberwolfachern ihr Klima- und Energietag. Zahlreiche Gäste informierten sich am Wochenende.

Oberwolfach. Rechts neben der Bühne in der Oberwolfacher Festhalle, am Stand des Kindergartens St. Josef, zeigten Kinderzeichnungen auf einer Stellwand, in welch kleinem Rahmen auch in Oberwolfach die Diskussion um "Energiesparen" und "Klimaschutz" einmal begonnen haben dürfte. Auf dem "Campus" der zweiten Oberwolfacher KIimatage zeigten Betriebe verschiedenster Branchen in Festhalle und Wolftalschule, dass die "Energiewende" längst auch ein lukrativer Markt geworden ist, auf dem sich viele Anbieter tummeln.

Bürgermeister Matthias Bauernfeind ordnete in seiner Eröffnungsrede den Klimawandel und die daraus erforderliche Energiewende als die größte gesellschaftliche Herausforderung ein, Landtagsabgeordnete Sandra Boser (Grüne) nahm diesen Ball gerne auf und verwies in ihren Begrüßungsworten auf die zahlreichen Landesgesetze, welche die grün-rote und grün-schwarze Landesregierung auf den Weg gebracht habe, um die Energiewende zu schaffen. Danach begaben sich der Bürgermeister und die Wolfacher Abgeordnete auf ihren Messe-Rundgang. Vom "großen Rad" – den auf den Oberwolfacher Höhen geplanten Windparks – über die Möglichkeiten, selbst Solarstrom zu erzeugen und diesen bei geringen Einspeisevergütungen selbst zu verbrauchen und zu speichern bis hin zum guten alten Holzherd in der Küche, natürlich im modernen, emissionsreduzierten Gewand, konnten sich die Besucher an fast einem Dutzend Infoständen informieren. Ein lokales Kreditinstitut informierte darüber, welche staatlichen Fördermöglichkeiten es für Privatleute gibt. Im Foyer der Festhalle bewirteten die Trachtenkapelle Oberwolfach und der Förderverein Waldschwimmbad Schapbach.

50 – 80 – 90: 50 Prozent Energieeinsparung, 80 Prozent Anteil erneuerbarer Energien, 90 Prozent Einsparung von Treibhausgasen – so lauteten die Traummaße, mit denen Corina Henninger vom Kompetenzzentrum Energiewende den Zuhörern im Untergeschoss der Festhalle die Grundzüge des Erneuerbaren Wärmegesetzes Baden-Württemberg vorstellte, Basisregelungen, die seit 2008 und 2015 für Hauseigentümer gelten, wenn in einem Haus die zentrale Heizungsanlage modernisiert werden muss.

Für alle, die nach dieser trockenen Materie ein wenig Luft schnappen wollten, standen zwei E-Mobile aus französischer Produktion zur Probefahrt bereit. Viele Probanden mussten sich nach dem Anlassen des E-Motors erst noch einmal versichern, dass das Fahrzeug tatsächlich schon "an" sei. Diese Reaktion sei typisch für den Erstkontakt mit einem E-Auto, versicherte schmunzelnd der Inhaber der Wolfacher Werkstatt.

Windräder sind Thema des Vortrags

Und nicht nur die neuesten Finessen für Heiztechnik, Stromerzeugung und Mobilität fanden in Oberwolfach ihr Publikum. "Es wäre möglicherweise von Vorteil gewesen, die Naturschutzbelange von Anfang an in die Diskussion mit einzubringen", sagte Angelika Kalmbach-Ruf vom BUND Kinzigtal. Sie wägte vor etwa 50 Zuhörern ihre Worte gut ab, als sie Diplom-Ingenieur Günter Schulz zu seinem Vortrag "Windkraft und Natur im Einklang?" in der Aula begrüßte.

Klimawandel, Treibhauseffekt, Polarkappenschmelze, Anstieg der Meeresspiegel: Schulz nannte zunächst die anerkannten Zusammenhänge, vor deren Hintergrund eine Energiewende unumgänglich und der Bau von Windkraftanlagen somit von öffentlichem Interesse sei. Dennoch dürften Belange des Artenschutzes – auf Grundlage der roten Liste – nicht unter den Tisch fallen. Am Beispiel des Auerhuhns, der Fledermaus und des Rotmilans, Tierarten, die für die im Wolftal geplanten Anlagen von Relevanz seien, zeigte Schulz die verschiedenen Szenarien auf, die den Bau einer Windkraftanlage vielleicht nicht verhindern aber zumindest den Betrieb der Anlage beeinflussen könnten. Im landwirtschaftlich offen gehaltenen Wolftal müsse so möglicherweise bei der Heuernte das eine oder andere Windrad angehalten werden, um den Rotmilan nicht beim Besuch auf dem mit Mäusen reichlich gedeckten Tisch der frisch gemähten Wiesen in den Rotorblättern verunglücken zu lassen.

Beim Rundgang über "seinen" Klima- und Energietag ging Matthias Bauernfeind die eine oder andere Idee zur Weiternutzung der bald nicht mehr schulisch genutzten Räume der Wolftalschule durch den Kopf, ein "Campus" in Verbindung mit der Festhalle ist da sicher nicht der schlechteste Gedanke.

 
 

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