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Oberwolfach Relikten und Rätseln auf der Spur

Hans-Gottfried Haas, vom 30.01.2012 08:45 Uhr
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Der renommierte Kirchenforscher Professor Hermann Brommer nimmt die Pfarrkirche in Oberwolfach sehr genau in Augenschein. Foto: Haas
Der renommierte Kirchenforscher Professor Hermann Brommer nimmt die Pfarrkirche in Oberwolfach sehr genau in Augenschein. Foto: Haas

Oberwolfach - Seit Längerem befasst man sich im Kirchengemeinderat von Oberwolfach mit der Herausgabe eines Kirchenführers. Immer wieder wollen Besucher der Barockkirche Sankt Bartholomäus Näheres über das Gotteshaus wissen. Nun hat sich durch den anstehenden 250. Geburtstag der Pfarrkirche dringender Handlungsbedarf ergeben.

Mit Professor Hermann Brommer, einem versierten Kenner der beiden Kirchen in Oberwolfach und dem Verfasser unzähliger Kirchenführer in Südbaden, war man schon länger in Kontakt. Brommer war in jungen Jahren Lehrer an der Walke. Seither besteht der kollegiale Kontakt mit Rektor a. D. Heinz Greulich. Brommer, der spätere Leiter der Grund- und Hauptschule von Merdingen am Tuniberg, war 1954 Mitbegründer des Kirchenchors von Sankt Marien an der Walke, als man die Filialkirche damals fertigstellte. So war Brommer vor sechs Jahren mit seiner Ehefrau, die mittlerweile verstorben ist, und seinen Nachfolgern als Dirigenten Ehrengast, als das 50-jährige Bestehen gefeiert wurde.

In der vergangenen Woche war er nun zwei Tage zusammen mit der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, Maria Bonath, in der Gemeinde unterwegs. Zunächst hat Brommer sich nochmals im Archiv kundig gemacht. Danach hat er die Pfarrkirche ein weiteres Mal bis in die kleinsten Details im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen. Vieles war ihm aus seiner früheren Zeit bekannt und hatte er im Lauf der Jahre in sein umfangreiches Archiv aufgenommen. Bekanntlich hat der vor 250 Jahren in Oberwolfach tätige fürstenbergische Baumeister Franz Joseph Salzmann auch die Pläne für die Schenkenzeller, die Steinacher und die Welschensteinacher Kirche gemacht.

Praktisch nichts ist vom alten, baufälligen und vor 300 Jahren viel zu klein gewordenen Kirchlein, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, übriggeblieben. Offensichtlich war der gesamte alte Kirchenschmuck sehr armselig oder Opfer der Ereignisse um die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg geworden. Lediglich zwei kleine Figuren haben nach der Einschätzung von Hermann Brommer überdauert: die über den beiden Seiteneingängen angebrachten Darstellungen der heiligen Maria und des Johannes Baptist.

Alle anderen Statuen im Bereich des Altars und der Seitenaltäre kamen wohl nach und nach dazu, denn alle ihre Sockel ragen sichtbar über die für sie vorgesehenen Fundamente hinaus. "Bettelarm", so die Erkenntnis des Kirchenforschers, war die Gemeinde damals, und so hat man das Gotteshaus in bescheidenster Weise Schritt um Schritt über mehr als ein Jahrhundert ergänzt und ausgeschmückt.

Ein Rätsel blieben auch nach wiederholter gründlicher Recherche und Untersuchung die Darstellung der beiden Ordensfrauen am östlichen Seitenaltar. In Oberwolfach war da immer mal wieder von der seligen Luitgard, der Klostergründerin in Wittichen, die Rede. Sie war ja zuvor als Ordensfrau Mitglied einer kleinen klösterlichen Gemeinschaft in Oberwolfach. Eindeutig sind die beiden Frauen im Ordensgewand und mit dem bis zum Boden reichenden Skapulier Karmelitinnen, aber darüber hinaus will sich Hermann Brommer nicht festlegen. Recht unsachgemäß und fast ein bisschen plump hat man wohl nachträglich der einen ein Schwert und der anderen eine Lanze oder einen Speer in die linke Hand gelegt – Attribute, mit denen Hermann Brommer auch durch Nachfrage bei einer sachkundigen Karmeliten-Oberin nichts anzufangen weiß.

Noch eine kleine Entdeckung am Rande: Der zu Füßen des heiligen Petrus am westlichen Seitenaltar befindliche Hahn ist seit Jahren spurlos verschwunden. Nicht einmal der Pfarrer kann etwas dazu sagen.

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