Oberwolfach "Kurze Messe" wird zum Höhepunkt in St. Bartholomäus
Schwarzwälder-Bote, 02.07.2012 21:00 Uhr
Ein Kirchenkonzert der besonderen Art gab es am Sonntag in Oberwolfach. Foto: JehleFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Evelyn Jehle Oberwolfach. Es waren besondere Kirchenkonzerte, die zwei Chöre und die Trachtenkapelle Oberwolfach für die Feierlichkeiten zum 250-jährigen Jahrestag der Weihe der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Oberwolfach-Kirche auf die Beine gestellt hatten.
Das vom Publikum mit Applaus überschüttete Ensemble unter der Gesamtleitung von Herbert Meßmer, Dirigent des Kirchenchors Oberwolfach, stellte die "Missa Brevis", (lateinisch für "kurze Messe") des zeitgenössischen Komponisten Jacob de Haan in den Mittelpunkt des Konzerts. Nach der Begrüßung durch Pfarrer Benno Gerstner intonierte das Orchester den Chorsatz "Lobt den Herrn der Welt" von Willy Trapp, das laut Meßmer einmal "The Prince of Denmark's March" geheißen hatte. "Weltruhm erlangte das Stück spätestens 1981, als es bei der Hochzeit von Lady Diana und Prinz Charles gespielt wurde", so Meßmer, der die jeweiligen Musikstücke kurz vorstellte. Auch in der Oberwolfacher Pfarrkirche ließ sich sowohl die Trachtenkapelle als auch die Chor-Gesamt-Gruppe von dem Pathos dieser Musik begeistern.
Anschließend überzeugte der Kirchenchor und der eigens für das Jubiläum ins Leben gerufene Projektchor mit dem vierstimmig gesungenen "Ave Maria" von Mozart und der sechsstimmigen Motette von Joseph Rheinberger "Bleib bei uns, denn es will Abend werden". Die Trachtenkapelle brillierte unter der Leitung von Roman Schilli mit einer weiteren, instrumental vorgetragenen, Motette, "Ecce Sacerdos" von Anton Bruckner nach einer Bearbeitung von Thomas Doss. Dieses von starken inneren Gegensätzen und harmonischen Kühnheiten getragene Stück leitete über zu dem Höhepunkt des Konzerts, der "Missa Brevis". Die Kompositionen von Jacob de Haan, insbesondere seine Werke für Blasorchester, sind weltweit bekannt und weisen filmmusikähnliche Stilkombinationen auf, die der "kurzen Messe" erstaunlichen Farbenreichtum verliehen. Hier zeigten sich noch einmal die besonderen Stärken Meßmers, der entschieden und klar die Chöre führte und die Aufmerksamkeit der Sänger auf sich lenkte. Gleichermaßen einfühlsam und kraftvoll interpretiert schien die Kirche in Klangfülle getaucht. Vor dem abschließenden "Dona nobis pacem" ("Gib uns deinen Frieden"), stellte Schilli eine Adaption des Chorals "O Ewigkeit, du Donnerwort" von Johann Sebastian Bach vor. Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum für ein wundervolles Konzert, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. "Eine würdige Vertonung der Missa in jeglicher Hinsicht", urteilte ein Zuhörer, der selbst jahrelang einen Chor in Bad Rippoldsau geleitet hatte.


