Oberwolfach - Wie geht es mit dem geplanten Wolftal-Erlebnisradweg zwischen Kniebis und Oberwolfach weiter? In Oberwolfach drückt die Gemeinde auf die Tube – bei der Bürgerversammlung im Februar soll eine Konsenstrasse präsentiert werden, die vom Gewerbeverein mit Gerhard Schmider an der Spitze mit ausgehandelt wurde.

Oberwolfachs Bürgermeister Jürgen Nowak ist zuversichtlich, dass es nun gelungen ist, eine mit den Eigentümern abgestimmte Fassung zu finden, um den Radweg in den kommenden beiden Jahren endlich zu realisieren. "Der Weg soll abseits der L 96 geführt werden", erläutert Nowak. Mit dem Regierungspräsidium Freiburg sei der erste Teil bereits abgestimmt, im Haushalt eingestellt ist ein Anteil von rund 262 000 Euro. Allerdings wird die Gemeinde den Radweg wohl kaum ohne öffentliche Förderung bauen können.

Mit dem Land müssen dazu noch Verhandlungen geführt werden, aber die Oberwol­facher sind zuversichtlich, in ein neues Radwegeprogramm in Baden-Württemberg ab 2014 aufgenommen zu werden. Das Programm soll eine pauschale Förderung von etwa 50 Euro pro Quadratmeter plus einen Zuschlag für topographisch schwieriges Gelände enthalten. Nach Schätzungen der Gemeinde könnten für den ersten Bauabschnitt bis zum Hansenbauernhof rund 171 000 Euro an Förderung erwartet werden (etwa zwei Drittel der Kosten), für den zweiten und dritten Bauabschnitt bis vor Tiefenbach sogar 485 000 von 636 000 Euro (etwa drei Viertel). Die Oberwolfacher hoffen darauf, dass der Erlebnisradweg vielleicht schon 2015 fertig gebaut sein könnte.

Nördlich der Kreisgrenze sieht die Lage deutlich komplizierter aus. Dort muss Bad Rippoldsau-Schapbach noch einige Entscheidungen erwirken, denn die notorisch klamme Gemeinde kann von den finanziellen Möglichkeiten im unteren Wolftal nur träumen. Deshalb hält sich Bürgermeister Bernhard Waidele (CDU) auch sehr bedeckt, was den aktuellen Stand bezüglich des Radwegs angeht. Er will nur bestätigen, dass es Gespräche mit den Ansprechpartnern beim zuständigen Regierungspräsidium in Karlsruhe und dem Landratsamt in Freudenstadt gibt.

Der Punkt ist, dass die Doppelgemeinde auf eine besonders großzügige Förderung von Land und Kreis hoffen muss, da der eigene Haushalt die Lasten für diese Investition kaum aus eigener Kraft bewältigen kann. Das ist aber insofern ein Politikum, da der Landkreis Freudenstadt sich bisher – anders als der Ortenaukreis – finanziell beim Ausbau des Radwegenetzes engagiert hatte. Erste vorsichtige Signale in diese Richtung gab es im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass der Landkreis in Freudenstadt gewisse Planungskosten für die Gemeinde übernehmen würde.

Eine Schlüsselrolle kommt aber auch Stuttgart zu: Auch Baden-Württemberg müsste einen substanziellen Anteil der Kosten übernehmen, der über ein Normalmaß hinausgeht, um den Bau des Radwegs durch das Wolftal zu ermöglichen. Doch an dieser festen Überzeugung hatte es das Land in den Verhandlungen in der Vergangenheit erkennbar fehlen lassen: So hatte sich Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zwar im Sommer vergangenen Jahres das Projekt vom Oberwolfacher Bürgermeister Jürgen Nowak schildern lassen, aber außer freundliches und unverbindliches Lob war vom Land in dieser Richtung finanziell nichts zu bekommen.

Ein weiterer Knackpunkt für den Gesamterfolg könnte indes werden, dass ein fertig gebauter Oberwolfacher Anteil mit einem Ende an der Kreisgrenze keine wirkliche Lösung wäre – nur eine Anbindung an das Radwegenetz in Freudenstadt macht Sinn.