
Von Hans Schabert
Oberreichenbach. Wer weiß schon, wenn er die Bundesstraße 294 befährt, dass er zwischen dem Simmersfelder Kreuz und Calmbach kilometerlang die bis an die Kleine Enz reichenden Markungen der Höhengemeinden Simmersfeld, Neuweiler oder Oberreichenbach berührt? Damit kreuzt er die Grenzen von drei ehemaligen Oberämtern, die später der Landkreis Calw geworden sind.
Nur wenigen Passanten fällt im Vorbeiflitzen oberhalb des auf dem Hoheitsgebiet von Oberreichenbach-Würzbach stehenden Werks der Schwarzwaldwasserversorgung ein steinerner Zeuge am Fahrbahnrand auf. Hier stoßen mit den Markungen Würzbach und Calmbach die früheren Oberämter Calw und Neuenbürg aneinander. Daran erinnert bis heute der Grenzstein, der diese Bezirke bis zu ihrer Vereinigung 1939 mit dem Oberamt Nagold im Landkreis Calw trennte. Dieser Zuschnitt blieb bis 1973 erhalten, als bei der damaligen Kreisreform dieser Verwaltungsbereich als einziger im Land verkleinert wurde.
Die alten Bezirksgrenzen waren nach den napoleonischen Kriegen im zum Königreich erhobenen Württemberg bei dessen Neuordnung nach 1806 entstanden. Die Oberämter sind Vorläufer der heutigen Landratsämter mit ähnlichem Aufgabenfeld. Leiter war der 1928 in Landrat umbenannte Oberamtmann.
Der erste Calwer Oberamtschef war Friedrich Braun. Er stand der Kreisbehörde von 1808 bis 1827 vor. In Freudental 1769 geboren hatte er in Tübingen Rechtswissenschaften studiert. Anschließend, ab 1791, war er zwölf Jahre Hofgerichtsadvokat. Dies kam ihm bei seiner Aufgabe zugute, denn bis zum Jahr 1818 gehörte zu den Geschäften des Oberamtmanns auch die Leitung des Oberamtsgerichts.
Der heutige Landrat, Helmut Riegger, ist der 22. Amtsvorsteher der Kreisbehörde in Calw seit 1808. Als ein Nachfolger von Braun kann hinsichtlich des ehemaligen juristischen Aufgabenfelds aber auch Amtsgerichtsdirektor Gerhard Glinka gelten.