
Oberreichenbach - Wenn sich in Stuttgart der Minister äußert, "Kunstwerke in Kreisverkehren können gefährlich sein", dann bedeutet dies nicht, dass der Hirsch beim Kreisverkehr des früheren Würzbacher Kreuzes in der Gefahr der Verbannung steht.Erdmute Jungkurth von der Abteilung Straßenbau im Landratsamt Calw hat von der Landesverkehrsbehörde keine Anordnung auf dem Tisch: "Dem Landkreis Calw liegen bislang keine Angaben über besonders gefährdende Kunstwerke in Kreisverkehren vor." Sie kennt die Situation: "Der Hirsch selbst ist aus Blech und wohl ungefährlich. Beim Stein, auf dem der Hirsch steht, könnte es eventuell anders aussehen."
Das soll nun noch lange nicht heißen, dass der Kreisel-Hirsch eventuell gefährdend und damit selbst gefährdet sei, obwohl sie eine andere Bewertung für nicht unmöglich hält. Allerdings sind bislang keine direkten Anordnungen zur Überprüfung entsprechender Kreisverkehre im Landkreis Calw auf den Tisch gekommen. Für Erdmute Jungkurth wäre eine Zwangslichtung der Fläche im Innenbereich des Kreisverkehrs ein Unding, zumal die Abteilung Straßenbau im Landratsamt sehr großen Anteil an dessen Gestaltung gehabt habe.
Karlheinz Kistner, seines Zeichens Bürgermeister von Oberreichenbach, der beim Bau des Kreisels allerdings noch nicht im Amt war, kann sich einen Kreisverkehr ohne den Hirsch – "er ist bekannt in Stadt und Land" – nicht vorstellen: "Nach meiner Meinung wäre es ein echter Schildbürgerstreich, wenn dieses bekannte Standbild seinen Platz räumen müsste. Das Straßenbauamt hat auf die Kreuzung ein tolles Projekt gebaut, wobei der von Wolfgang Pfrommer vorgeschlagene Hirsch von privater Hand bezahlt worden ist."
Für ihn liegt an dieser ehemaligen Kreuzung, die mit dem Kreisverkehr optimal entschärft worden sei, keinerlei Gefährdung durch das Standbild auf dem flachen Sandstein vor. Eher das Gegenteil ist seiner Meinung nach der Fall: "Der Verkehr ist vor einem Kreisel zwangsläufig langsamer. Wenn dazu ein Hirsch die freie Sicht über den Kreisverkehr hinweg verbaut, besteht eine Rasergefahr noch viel weniger."
Und weiter führt er aus: "Das Regierungspräsidium hat die Aufgabe, Kreisverkehre möglichst sicher zu machen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, wie unser Kreisel beim Würzbacher Kreuz noch sicherer als jetzt gemacht werden könnte. Dieser Kreisverkehr hat die Gefahr von schweren Unfällen in diesem Bereich, für den das Würzbacher Kreuz bekannt war, auf null herabgesetzt."