Oberreichenbach (hms). "Das ist ein super Ansatz für den ländlichen Raum und sollte Nachahmer finden". Dieses Resümee zog der Landtagsabgeordnete und innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Blenke, nach einem Gespräch mit Bürgermeister Karlheinz Kistner in Oberreichenbach zum Thema Bürgerauto.

Der Abgeordnete will Wege suchen, wie er dieses für den ländlichen Raum mit kleinen Dörfern ideale Projekt der Nahverkehrs-Versorgung vom Land her unterstützen und weiter anschieben kann. Eine Besonderheit ist in Oberreichenbach, dass es sich um ein umweltfreundliches Elektro-Bürgerauto handelt. Überrascht war Blenke von den Fahreigenschaften, nachdem er sich hinter das Steuer gesetzt hatte. Denn der nicht zu hörende Motor zieht den Wagen so kräftig vorwärts, wie die herkömmliche Technik, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Arbeitskreis Nahversorgung und Mobilität der Oberreichenbacher Initiative "Lebensqualität durch Nähe" (LQN) hat das Modell entwickelt. 20 ehrenamtliche Fahrer tragen es mit. 30 000 Kilometer sind sie für die Einwohner aus den Ortsteilen Oberreichenbachs oder deren Besucher aufs Jahr gerechnet unterwegs.

Die Anbindung erfolgt zwischen den Ortsteilen und in die unmittelbaren Nachbarstädte und -gemeinden zu Fahrpreisen zwischen einem und drei Euro. "Die Bürger sagen, was sie wollen und machen ehrenamtlich dabei mit", erläuterte Kistner zum Thema Elektro-Bürgerauto und anderen Tätigkeitsfeldern der LQN.

"Wie reagieren da die Bus-unternehmen?", war eine der Fragen Blenkes. Dazu berichtete Kistner, dass die hauptsächlich Oberreichenbach bedienende Firma Rexer das Vorhaben unterstützt. Man mache ja auch keine Konkurrenz, sondern führe den Linien Fahrgäste eher zu. Denn parallel zum Bus fahre das Bürgerauto nur in Sonderfällen, etwa für Schwerbehinderte. Aber es eröffnet von Montag bis Freitag eine Anbindung aller Ortsteile von 8 bis 20 Uhr. Arztbesuche, Einkaufsfahrten oder freundschaftliche Begegnungen werden so für die Einwohner und ihre Gäste ohne eigenen fahrbaren Untersatz möglich.

Die Jahreskosten bleiben mit 17 000 Euro dank der ehrenamtlichen Mitwirkung der Einwohner erschwinglich. Das erste Jahr bringt Oberreichenbach, durch das Engagement der EnCW, des Fahrzeuglieferanten Lohre aus Ostelsheim und die eingenommenen Fahrgelder sogar ohne zuschießen zu müssen über die Bühne.

Das Modell hat Oberreichenbach aus Österreich importiert. Aber es findet laut Kistner zunehmend Interessenten, und bald wird in Bad Liebenzell, wo 35 ehrenamtliche Fahrer gefunden sind, ein gasbetriebenes Bürgerauto anrollen. "Das ist gelebte Bürgergesellschaft und wäre eine Sonderlinie des ELR (Entwicklungsprogramms ländlicher Raum) wert", zeigte Thomas Blenke die Richtung auf, in welche er aktiv werden möchte.