Von Christoph Holbein

Obernheim. Wenn die Kinder morgens in der Dämmerung von der Straße den Weg hoch zur Schule kommen, von weitem sichtbar mit ihrem V-Gurt als Sicherheitskragen, dann freut sich Rektorin Margaretha Pehlke. Das Projekt, zur Schule zu laufen, hat Erfolg.

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"Das Ziel unserer Aktion ist, dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr bis zur Schultüre fahren. Dieses Ziel haben wir erreicht", zieht Pehlke ein "positives Fazit". Nach den Herbstferien startete an der Grundschule Obernheim das "Laufbus-System". Auf einem Ortsplan, der im Foyer hängt, ist jede Adresse, wo ein Kind wohnt, mit einem Punkt markiert. "So sehen die Schüler, wo jeder lebt und wo es sich anbietet, dass sich die Kinder zusammenfinden", erläutert die Schulleiterin. "Das Gros der Kinder kommt aus drei Gebieten. Sie treffen sich und laufen miteinander zur Schule."

Alle ausgestattet mit den V-Gurt-Sicherheitskragen, die Elternbeirat und Schulförderverein für alle Kinder angeschafft und jeweils zur Hälfte finanziert haben. Die Schüler erhalten den Gurt leihweise während ihrer Grundschulzeit und geben ihn danach wieder zurück oder dürfen ihn für die Hälfte des Anschaffungspreises übernehmen.

Da alle Klassen, von eins bis vier, um 7.40 Uhr Unterrichtsbeginn haben, kommen auch alle Schüler gleichzeitig zur Schule. Zwischen 7.20 Uhr und 7.30 Uhr sind die Kinder auf dem Weg – immer in Grüppchen. Wer zur Schule gelaufen ist, erhält einen Laufpunkt. Vom Ende der Herbstferien bis zum Ende des Schuljahres sind es 148 Schultage. Für jede Klasse gibt es einen Plan mit den Namen der Schüler, hinter welche die Laufpunkte aufgeklebt werden. Jeden Morgen fragen die Lehrer ab, wer zu Fuß zur Schule gegangen ist, und wer das bejaht, hat einen weiteren Punkt hinter seinem Namen. "Am Ende des Schuljahres gibt es für diejenigen, die am meisten zur Schule gelaufen sind, als kleine Anerkennung einen Preis."

Das ist auch für die Kinder aus Tanneck möglich. Die müssen zwar nach Obernheim gefahren werden, steigen aber im Ortskern aus und laufen das letzte Stück zur Schule zusammen mit ihren Kameraden. Dafür gibt es auch für sie den Laufpunkt. Dass alle Kinder gemeinsam ankommen, verhindert eine Unruhe wie früher, während andere Schüler bereits Unterricht hatten. Auch die Eltern sind zufrieden mit dem gemeinsamen Beginn, vor allem, wenn es mehrere Kinder in der Familie sind, welche die Grundschule besuchen.

Und die Sprösslinge sind mit Eifer bei der Sache. Als mal eine Mutter verschlafen hatte, ließ sich das Kind zwar mit dem Auto ein Stück zur Schule fahren, rannte dann aber noch einen Teil des Weges zu Fuß zum Schulgebäude, weil es ihm wichtig war, seinen Laufpunkt zu erhalten.

Das gemeinsame Laufen bewährt sich also, sagt Pehlke, und die reflektierenden Kragen bieten Sicherheit: So hat eine Mutter beobachtet, dass bei Nebel ein Auto schnell heran nahte, dessen Fahrer dann die Kinder bemerkte, abrupt abbremste und langsam vorbeifuhr. Und die Sprösslinge haben schon mal frische Luft geschnappt und miteinander "geschwätzt". "Das ist zu spüren: Es ist weniger Unruhe und wir fangen schneller mit dem Unterricht an, weil sich die Kinder erstmal bewegt haben", betont die Rektorin.